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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Neuer Literatur zur Psychotherapie [Rezension]
Date
1932-10-01
Page
307 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Erich Stern: Neuere Literatur zur Psychotherapie die Struktur der Lebenstauglichk e i t und bespricht dann die Schulung des Menschen zur Lebens tauglichkeit; besonders das, was er über Arbeitstechnik und Ertragensfähigkeit sagt, verdient volle Beachtung. „Der Lebenstaugliche muß wissen, was er will, was er kann und was ihm körperlich und geistig gut tut. Er muß weiter wissen, wie er seine Bedürfnisse zu erreichen hat, ohne den Widerstand seiner Umwelt gegen sich wachzurufen oder, wenn er ihn wachgerufen hat, wie er ihm entgehen oder ihn überwinden kann." Er muß Menschenkenner sein, sich selbst und seinen Wunschträumen mit Kritik gegenüberstehen, er muß seine Triebe zu beherrschen wissen, er muß seine Berufsarbeit ohne Hemmungen, Sperrungen, wesentliche Ermüdungen leisten können. Der Verfasser untersucht dann die „typischen Lebenslagen und die hauptsächlichen Belastungen der schwierigen Situationen", er scheidet zwischen realen, libidinösen oder erotischen und außerzweckhaften Lebenshaltungen, die zu verschiedenen Zeiten des Lebens wirksam werden können. „Ursächlich für das Versagen eines Menschen im Lebenskampf ist der Grad seiner Lebenstauglichkeit. Bestimmend für den Krankheitswert und die soziale Bedeutung der Erkrankung ist außerdem die Lebensaufgabe, vor der er ausgewichen ist. Alle nervösen Erkrankungen und Verhaltungsweisen gewinnen ihren inneren Sinn nur durch den Vergleich der Lebenstüchtigkeit mit den Lebensbelastungen. Um diesen Zusammenhang zu verstehen, ist es unbedingt notwendig, die Stellung des Kranken zu den eigenen Selbstwertforderungen und zu den Forderungen der besonderen Gemeinschaft zu ermitteln, in der er lebt und aus der sich seine besonderen Lebensbelastungen ergeben." Cimbal hebt hervor, daß die Einordnung in diese Gemeinschaft einer lebenslänglichen Übung bedarf und daß sie weitgehend gegen Neurosen geschützt ist. Es berührt außerordentlich angenehm, an dem vorliegenden an der Psychoanalyse stark orientierten aber ihr nicht erliegenden Werk, daß es sich überall an die Erfahrung hält und sich nicht in allzu weite Spekulationen verliert. Anschließend mag noch auf die Schrift von W. Eliasberg, Von der Vernunft bis zur Rationalisierung (Leipzig, J. A. Barth 1932) hingewiesen werden, die wichtige Beiträge zur Psychotherapie und Pädagogik der abhängigen Arbeit bringt. Besondere Beachtung verdient auch das Buch von Rudolf Allers: „Das Werden der sittlichen Person" (Freiburg i. B. Herder, 36oS., Mk. 6,20). Allers neigt der Adlexschen Individualpsychologie zu, die er mit der Weltanschauung des Katholizismus zu verbinden sucht. Das Ziel des Lebens und der Entwicklung ist für ihn durch die katholische Weltanschauung gegeben, aber die Individualpsychologie erscheint ihm berufen, die Mittel im Wege der Erziehung aufzuzeigen, Einblicke zu vermitteln in Aufbau und Werden der Persönlichkeit, und vor allen Dingen Hemmungen der Entwicklung zu beseitigen. Mit der Individualpsychologie nimmt er die Wandelbarkeit des Charakters und ein weitgehendes Bestimmtwerden der Charakterentwicklung durch äußere Faktoren an. Trotz Ablehnung des Sexualismus der Freudschen Lehre wird doch die Bedeutung der Sexualität für die normale Entwicklung und vor allem für die Fehlentwicklung zugegeben. Eine eingehende Analyse erfährt die Schwererziehbarkeit und der 307 201

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