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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 288

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Antisemitismus?
Date
1932-10-01
Page
288 (sequence 2)
Language
German
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Volkmar Frobenius und volksmäßiges Empfinden in den Dienst eines Kampfes gestellt, dessen einzige Streiter die eigene Kraft und Leistung hätte sein sollen. Nicht rang hier uralte erdverhaftete Bindung mit wurzelloser, auflösender Verneinung, sondern ein selbst schon Entwurzeltes suchte auf bequeme Art eine Frage auf Leben und Tod zu umgehen. Dieser bequeme Ausweg, für alle und jede Schuld den Sündenbock im Juden zu suchen, hat in dem wissenschaftlichen Aberglauben der heutigen ungebildeten Gebildeten eine furchtbare Waffe erhalten. Mit Schlagworten und vorgefaßten Meinungen schlägt man in scheinbarer Wissenschaftlichkeit jeden Ansatz eines Verständnisses, jede Regung der eigenen Vernunft mit KeuleD nieder. Zwar ist Parität vor dem Gesetz erreicht, doch verletzt menschlicher Boykott um so schmerzlicher; tritt dann ein persönliches Erlebnis korrigierend dazwischen, so wird dem Individuum zwar einige Gerechtigkeit zugestanden, doch bleibt die Rasse weiter verfemt. Während das menschlich Wertvolle, falls es überhaupt gewertet wird, als seltene Ausnahme erscheint, zeichnet man jedes Negativum als typisch. Es ist hier nicht der Ort, die Gründe und Hintergründe dieses primitiv romantischen Wunschreiches vom „arischen Deutschen" und seiner drohend aushöhlenden Vernichtung durch den „asiatischen Juden" zu untersuchen. Ebensowenig sollen die offenbaren und großen Fehler des Judentums, besonders seiner östlichen Vertreter, betrachtet werden, die, nicht mehr in altehrwürdigen Bindungen ruhend, Deutschland mit ihrer lauten, aufdringlichen Skepsis, mit ihrem würdelosen Zerpflücken all dessen, was anderen Menschen heilig ist, mit ihrem konjunktursicheren Zungenschlag und ihrem sich als aufgeklärte Humanität gebenden, jeder mühevollen Pflicht und Verantwortung ausweichenden Relativismus erfüllen. Es soll nicht die Rede sein von intellektuellen, meist jüdisch geleiteten Journalen und ästhetisierenden Zirkeln, von Essays und Kritiken, die, hinter brillanter Form und schillerndem Aufsuchen des jeweils Neuen, geistige Anarchie, gänzlichen Substanzmangel, bestenfalls einen furchtbaren Rationalismus verbergen, und die dem Fehlen jeglichen Staats- und volkshaften Empfindens die heuchlerische Maske bedingungsloser Freiheits- und Wahrheitsverpflichtung anschminken. Die scheinbare Alleinherrschaft des Judentums in Presse und Kapital, die durch jeden unvoreingenommenen Blick in die Tatsachen widerlegt wird, ist hier unwichtig. Es soll vielmehr der „Trennungsstrich", den Hans Meid vor Jahren in der DAZ zog, zwischen wirklichen jüdischen Menschen, die um ein Verhältnis zu ihrem Schicksal ringen und jenen überlauten Treibend-Getriebenen, 288

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