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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 286

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Gibt es jüdische Geheimgesetze?
Date
1932-10-01
Page
286 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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Max Eschelbacher: Gibt es jüdische Geheimgesetze? widerspräche eine solche Geheimlehre dem Wesen des Judentums. Die jüdische Lehre ist an sich schon Verkündigung an die Welt. ^Das ist euere Weisheit und euere Einsicht vor den Augen der Völker." Ein Judentum, das von Eisenmenger erst entdeckt werden müßte, würde die jüdische Lehre aus Weisheit und Einsicht in eine Schmach für den Juden verkehren. Mitten in den entlegensten Sonderbestimmungen proklamiert das Religionsgesetz dieses Prinzip als den obersten, alles beherrschenden Grundsatz. Der Schulchan aruch tut es z.. B. bei Gelegenheit der oben erwähnten Bestimmung über den Eid des einen jüdischen Zeugen (Chr. m. 28,3). Das Religionsgesetz gliedert also den Organismus seiner Satzungen so, daß sie unter keinen Umstanden zu einer Entweihung des göttlichen Namens führen können. Aus der sakralen Sphäre in die der Politik übertragen heißt das: Die Ehre des Judentums verbietet die Existenz eines jüdischen Geheimgesetzes. Diese Notwendigkeit ist keine Forderung der Zweckhaftigkeit, sondern hängt in der Tiefe mit dem Berufe Israels zusammen. Als der Engel, mit dem Jakob die ganze Nacht hindurch gerungen hatte, beim Anbruch der Morgenröte entschwinden wollte, hielt ihn der Stammvater fest: „Ich lasse dich nicht, du habest mich denn gesegnet!" Der Segen, der ihm dann wurde, war ein neuer Name, Israel, „denn Du hast gekämpft mit göttlichen Wesen und mit Menschen und bist Sieger geblieben". So bedeutet also Israel „Kämpfer für Gott". Zu den Aufgaben dieses Kampfes gehört auch die Verwirklichung der uns anvertrauten Lehre zur Heiligung des göttlichen Namens. Nicht weil es „herauskommen müßte", sondern aus der tiefsten Seele unserer Religion selber heraus ist deshalb die Existenz eines jüdischen Geheimgesetzes der oft erwähnten Art unmöglich. Und gegenüber der furchtbaren Anklage solch eines schauerlichen Mysteriums kann es deshalb zuletzt nur eine Antwort geben, unser Bekenntnis: Schema Jisroel! Höre Israel und kämpfe für Gott! 286

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