Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1932)
- Article
- Gibt es jüdische Geheimgesetze?
- Date
- 1932-10-01
- Page
- 275 (sequence 1)
- Language
- German
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Gibt es jüdische Geheimgesetze? Von Max Esdielbadier I. Die Thorah verkündet im fünften Buche, Kapitel 4, Vers 5 und 6: „Siehe, ich lehre euch Gesetze und Rechte so, wie sie mir der Ewige, mein Gott, geboten hat, damit ihr sie ausführet in der Mitte des Landes, in das ihr kommt, um es zu besitzen. Und hütet sie und führet sie aus, denn das ist euere Weisheit und euere Einsicht in den Augen der Völker, die alle diese Gesetze hören und die sprechen werden: Wahrlich, ein weises und vernünftiges Volk ist diese große Nation". In diesem Vermächtnis hat Mose dem werdenden Judentum den ewigen Gang seiner Bestimmung vorgezeichnet. Er hat den göttlichen Ursprung der Thorah verkündet und ihre Verwirklichung in der Welt gefordert. Sie ist vom Himmel her offenbart, aber auf Erden muß sie gelebt werden. Sie ist das Erbe des Judentums, aber vor dem Forum der Menschheit muß sie sich rechtfertigen. Die Völker werden sich ihr Urteil über die Thorah bilden und danach ihren Spruch über Israel fällen. Auf der Ehre der Thorah beruht danach die Ehre des Judentums und die Ehre Gottes. Die Verpflichtung auf die Thorah ist gleichbedeutend mit der Verpflichtung zur „Heiligung des göttlichen Namens". Moses Gebot hatte seine zeitgeschichtliche Richtigkeit und behält seine überzeitliche ewige Wahrheit. Als er es verkündete, dachte er an die Ägypter, in deren Mitte er aufgewachsen war, ihren imponierenden Staat, ihre eherne Gesellschaftsordnung, ihre hohe Kunst, ihre gegliederte, planvoll geordnete Wirtschaft. Im Anblick dieser großartigen Schöpfungen von Kultur und Zivilisation ruft er seinen hebräischen Stämmen zu, daß auf diesem Ge- 275 18*