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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 269

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Der erste Weltbürger
Date
1932-10-01
Page
269 (sequence 1)
Language
German
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Der erste Weltbürger Von Friedrich Hertz Aristoteles hat ausgesprochen, daß die Poesie philosophischer und ernster sei als die Geschichte, da jene das allgemein Gültige, diese aber das Besondere darstelle. Auf die meisten Werke der Geschichtsschreibung trifft dies freilich zu, doch kann auch gerade die Darstellung des besonderen Schicksals in Dichtung und Geschichte nicht nur rein ästhetisch aufs stärkste wirken, sondern auch die gewaltigste Katharsis ausüben. Es mag erfunden sein, daß Thukydides vor Bewunderung in Tränen ausbrach, als er Herodots Geschichte vorlesen hörte, aber es deutet an, daß die große Historie der Tragödie an Kraft nicht nachsteht. Gewiß hat die Geschichtsschreibung den Beruf, das Allgemeimnenschliche im Einzelnen darzustellen, oft vergessen und sich in den Dienst beschränkten Egoismus oder niederer Leidenschaften begeben; vor allem die nationalistische Tendenzhistorik unserer Zeit hat hierin arg gesündigt und zur Aufpeitschung des Völkerhasses verhängnisvoll mitgewirkt. Viel höher stehen die großen Geschichtsdarsteller des Altertums und vor allem der „Vater der Geschichte" Herodot. In Herodots Geschichtswerk bewundern wir eines der größten und ehrwürdigsten Denkmäler des menschlichen Geistes. Geboren an der Grenze hellenischen und asiatischen Volkstums soll Herodot unermüdlich drei Weltteile durchzogen haben; von der Südgrenze Ägyptens bis zu den skythischen Nordvölkern, von Persien bis Italien, überall das Wesentliche suchend: die Erkenntnis des Menschen. Er zuerst hat Menschenforschung getrieben, wie nach ihm nur mehr Herder. Die uralte Weisheit ägyptischer und babylonischer Priester lieferte ibm ebenso Stoff wie Sagen nomadischer Hirten oder Berichte phönizischer Kauffahrer. Ein großer kulturvergleicbender Zug geht durcb das Werk. Das 269

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