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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 268

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Soziologie des Judenhasses
Date
1932-10-01
Page
268 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Gottfried Salomon: Soziologie des Judenhasses antlitz von Unterwürfigkeit und Anmaßung haben. Das Bild der jüdischen Untugenden ist ja durch die Einpferchung in bestimmte Berufe wie durch das Emporkömmlingstum auffällig. Aber diese Charakterisierung ist neueren Datums. — Die sogenannte Emanzipation ist teuer bezahlt worden, indem der einzelne Jude mit dem Glauben an sich und seine Sendung gebrochen hat. Die Kraft, welche den Juden fast ein halbes Jahrtausend aufrecht erhielt, war die religiöse Gemeinschaft. Das Ghetto mit der strengen Regelung des äußeren und inneren Lebens hat den Zusammenhalt bewahrt, namentlich das Familienleben außerordentlich gestärkt. Dagegen hat das allgemeine Menschenrecht und die Befreiung den Juden, wie die ganze übrige bürgerliche Gesellschaft, individualisiert, die sakral begründeten Gemeinschaftsbindungen aufgelöst und die Traditionen erschüttert. Stamm und Volk, Gemeinschaft und Religion sind in der Assimilation an den europäischen Gemeintypus nicht mehr maßgebend. Romantische Ideen der Wiederherstellung einer ursprünglichen Volksgemeinschaft wie sozialistische Ideen einer neuen Gemeinschaft sind aber gerade darum bei den Führern einer jüdischen Regeneration verbreitet. Die jüdische Religion, die jüdische Rasse, der jüdische Reichtum, der jüdische Charakter werden nur als Rechtfertigungen der ursprünglichen Feindschaft angeführt. Die Absonderung in eigenen Vierteln, die Abweichung in Gebräuchen, haben die Ablenkung des Fremdenhasses auf die Juden begünstigt. Der Jude erscheint als der Fremde im eigenen Land, als innerer Feind. Eine Minderheit wird als Sündenbock schuldig gesprochen. Seit dem Altertum ist dieser Fremde ein Feind des eigenen Geistes. Da der einzige Gott und sein Volk in einem engen Zusammenhang stehen, wird nicht nur dieses Volk verfolgt, sondern in einem ewigen Heidentum sein Gott geleugnet. Noch immer wirken die Methoden, mit denen man den Geist vernichten wollte: Exkommunikation, der Ausschluß aus der Gemeinschaft, und Exorzismus, die Austreibung des Geistes, weil eben im Geiste die Revolte des Freiheitsdranges ununterdrückbar lebt und in Einzelnen immer wieder aufsteht, um gegen allen Wahn der Massen die Gemeinschaft in einem Geiste zu verbinden. 268

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