Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1932)
- Article
- Der Segen Jakobs
- Date
- 1932-10-01
- Page
- 253 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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„Der Segen Jakobs" Von Bruno Italiener Rembrandts Gemälde in der Kasseler Galerie „Der Segen Jakobs" gebort zu den berühmtesten Werken des Meisters. Aber bei aller Bewunderung der ergreifenden Schönheit des Bildes darf man doch nicht die Schwierigkeiten übersehen, die sich dem aufmerksamen Beschauer darbieten. Sie sind des öfteren hervorgehoben worden und lassen sich im folgenden zusammenfassen: Auffallend ist zunächst die außerordentliche Breite der Anlage (2,09 m) im Vergleich zur Höhe (1,74 m). Auffallend ist die Gruppierung: Die vier männlichen Gestalten, Jakob, Joseph, Ephraim und Manasse — von Asnath, der Frau des Joseph, durch einen tiefen Einschnitt getrennt. Auffallend ist die ganze Einführung der Figur der Asnath, die in dem biblischen Bericht vom Segen Jakobs nicht erwähnt wird, sowie endlich die in einem stumpfen Rot gehaltene Decke, die fast den ganzen Vordergrund des Bildes einnimmt und in schier übergroßen Proportionen den Leib des Sterbenden deckt. Den Weg zur Lösung dieser Schwierigkeiten hat uns Rembrandt selbst gewiesen, als er in die linke Ecke des Gemäldes auf den roten Grund mit schwarzer Farbe die Zeichen schrieb: „Rembrandt f i656". Es ist mehr als die übliche Signierung. Im Jahre i656 ist Rembrandts wirtschaftlicher Zusammenbruch, der so lange gedroht hatte, endgültig besiegelt. Der Meister muß eine Bestandsaufnahme machen, einen großen Abschluß. Rembrandt gehorcht, der „Segen Jakobs" ist dieser Abschluß. Was ihm die Kraft gibt, diese so ganz andere Bilanz zu ziehen, als seine Gläubiger freilich meinten, das ist das Buch, das Rembrandt während seines Lebens treulich begleitete, die Bibel. Es ist das 48. Kapitel des 1. Buches Mose, das Rembrandt zur inneren Klärung verhilft. Der Bericht vom „Segen Jakobs" beginnt: „Israel machte sich stark ..." Auch Rembrandt „machte sich stark". Rembrandt, der von tausend Nöten Bedrängte, schafft ein Bildnis von 253