Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Alte und neue Götter [Rezension]
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 238 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Werner Cahnmann: „Alte und neue Götter" Eingliederung der jüdischen Gemeinschaft in das Leben des Gesamtvolkes, die nirgendwo so tief wie in Deutschland gestellt ist, einer glücklichen Lösung für beide Teile entgegengeführt werden soll. Aus den verwirrenden Auseinandersetzungen der Gegenwart können weder die Ideen des westlichen Nationalismus, wie sie in der politisch-zionistischen Bewegung selbst Teile der Judenheit ergriffen haben, noch die auflösenden Gedankenführungen des von Marx herkommenden russischen Kommunismus den Weg weisen. Die Betrachtung der Geschichte lehrt, daß allgemeine und profane Prinzipien zerstörend auf jede eigenartige Form einwirken müssen. Keiner Gemeinschaft können sie deshalb gefährlicher werden als der jüdischen. Das deutsche Judentum muß sich von überallher finden in dem Willen zur uneingeschränkten Behauptung seiner öffentlichen Rechte u n d in dem Bekenntnis zu seiner religiösen und stammlichen Eigenart. Dann kann es in einem förderativen Deutschland der Zukunft als eine besondere deutsche Gruppe mit anderen Stämmen, Ständen und Bekenntnissen des Reichs zu einem geistigen Bund zusammentreten, der die gegenwärtige Zerklüftung beendet, weil er alle seine Glieder in der Einheit eines gleichgeachteten Volksbürgertums zusammenführt. Daß die reinen Linien dieser Entwicklung als eine Möglichkeit, die von der Vergangenheit in die Zukunft weisen kann, vor uns aufgezeichnet worden sind, ist ein Verdienst des Buches von Ricarda Huch. Anzeigen Saul Kaatz: Sendschreiben an den Vorstand und die Mitglieder der Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands. 1982. Veiiag M. Poppelauer, Berlin. 16 S. Diese Schrift ist mit Dank zu begrüßen. Ein orthodoxer Rabbiner wendet sich aus Gewissensnot, und um Seelen vor einem mißleiteten Sündenbewußtsein zu bewahren, gegen eine in den letzten Jahren in gewissen Kreisen zugewandte Methode, das Wort „Gott" und seine Zusammensetzungen nur verkürzt „G'tt" zu schreiben. Was einstens aus ehrfürchtiger Scheu für die biblischen Gottesnamen in ihrer Ursprache zur Sitte wurde, hat man, und das erst in allerjüngster Zeit und nur in Deutschland, über Gebühr und ohne Sinn ausgeweitet. Kaatz geht der Frage in ihrer halachischen Verwurzelung nach, zeigt auf, wie unbegründet die Sitte ist, weist darauf hin, wie hier ohne Grund und Ursache neue Erschwerungen eingeführt werden, die nur Scheidewände aufführen und zu einem neuen Schibboleth werden können: und mit feiner Ironie deckt er die Ungeheuerlichkeiten auf, zu denen eine solche Praxis führen muß. Ich stehe nicht an, dieses Schriftchen eines führenden Orthodoxen, das mulig gegen eine Veräußerlichung Stellung nimmt, als eine notwendige Tat dankbar anzuzeigen. M. D i e n e m a n n. 238