Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Bibelforschung aus jüdischem Geist
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 224 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Ludwig Feuchtwanger: Bibelforschung aus jüdischem Geist die Schwierigkeit des Buberschen Bibelverstehens aus der Art, wie Fichte — und nach ihm keiner in dieser Hellsichtigkeit — den Unterschied der Bezeichnungsmöglichkeiten des Sinnlichen und Übersinnlichen in verschiedenen Sprachen eingesehen hat. Nicht die größere oder geringere Stärke des Sinns fürs Übersinnliche in den beiden Völkern macht nach Fichte den Unterschied in der Ausdrucksmöglichkeit zweier Sprachen aus, „der Unterschied sei vielmehr ledig- Ech durch die Verschiedenheit ihrer sinnlichen Klarheit, damals, als sie Übersinnliches bezeichnen wollten, begründet" (ebenda, Seite 429). Und weiter: „So richtet alle Bezeichnung des Übersinnlichen sich nach dem Umfange und der Klarheit der sinnlichen Erkenntnis desjenigen, der da bezeichnet." Buber hat in der berühmten Abhandlung „Über die Wortwahl in einer Verdeutschung der Schrift" Rechenschaft über die besonderen sprachtechnischen Aufgaben einer Bibelübertragung in unserer Zeit abgelegt. Was von der Übertragung gilt, gilt vielleicht in noch höherem Maß von der Exegese und Geschichtsdeutung. Erst jetzt nach dem neuen biblischen Kommentar über eine wichtige Seite des biblischen Glaubens wird man mit besonderem Verständnis, aber auch nicht ohne erheblichen Zweifel den Schlußabschnitt Bubers aus jener Abhandlung „Über die Wortwahl" lesen, der lautet: „So durchleuchtet unsere Arbeit das Palimpset, sie dringt unter die Wachsschicht, darauf die Völker die «Bibel» ihrer religiösen Bedürfnisse und Ausdrucksformen geschrieben haben, und die Grundschrift erscheint. Jenes riesenhafte Werk des Menschengeistes heißt in Wahrheit Geschichte, diese heißt das Buch. Jenem gebührt die Ehre, eine Menschheit um das Buch versammelt zu haben, diesem aber das Recht, in einer späten und besinnungheischenden Stunde dieser Geschichte von dieser Menschheit entdeckt und geschaut zu werden. Schwerer wird's sein, mit ihm zu leben als mit jenem: es wird nicht verhehlen, daß es widerspruchsvoll und ärgerlich ist wie die Welt. Aber auch noch sein Widerspruch und sein Ärgernis haben Weisung zu verschenken." 224