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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 209

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Bibelforschung aus jüdischem Geist
Date
1932-08-01
Page
209 (sequence 1)
Language
German
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Bibelforsdiung aus jüdischem Geist Martin Bubers Erneuerung der Bibel aus dem Geist des Judentums Von Ludwig Feudhtwanger Das zeitlich und räumlich weit auseinander liegende Schrifttum, das in den Urkunden des Alten Testaments vorliegt, ist nicht aus einem Guß in dem Sinne, daß ein einheitliches, eindeutiges Welt- und Geschichtsbild dieses Werk geformt hätte. Es sind Urkunden jüdischer Geisteshaltung. Aber jede Epoche, jeder Kulturkreis hat sich immer von neuem die Bibel angeeignet; von ihr wurde zwar die abendländische Menschheit in ihrem Denken und Verhalten bestimmt, aber auch umgekehrt vollzog sich eine Umschmelzung und Angleichung des Textverständnisses von Volksgeist zu Volksgeist. Die nationale Aneignung ■der Bibel in Deutschland, Bibel und deutsche Kultur, sind seit langem Gegenstand einer besonderen Wissenschaft geworden. Die spezifisch jüdischen Bemühungen um das eigene alte Erbgut gingen ihren besonderen Weg, mündeten indes nach der Emanzipation in eine wenn auch merkwürdig geringe Beteiligung an der allgemeinen modernen Bibelforschung ohne besondere Note, verliefen also im Gefolge der christlich-theologischen Wissenschaft des Alten Testaments und deren Fragestellung. i848 sprach Abraham Geiger die bestimmte Erwartung einer künftigen „modernen jüdischen Bibelwissenschaft eigener Art" aus; er erwartete mit Ungeduld, daß gerade auf diesem Gebiet „die jüdische Wissenschaft wieder den Höhepunkt gewinnen werde, wie sie ihn unter den Arabern in der früheren Zeit eingenommen hatte". „Es wird sich dann zeigen", bemerkte Geiger, „wie den Juden ihre Bibel doch ein wahrhaft geistiges Eigentum sei, das sie mit der rechten heiligen Scheu, aber auch mit echter Ver- 14 209

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