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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 200

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Bürgerlichkeit , Religion und junge Generation
Date
1932-08-01
Page
200 (sequence 1)
Language
German
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Bürgerlidikeit, Religion und junge Generation1) Von Herman M. Sänger Alles Forschen nach der Zukunft, der wir entgegengehen, beginnt und endet mit der Frage nach' der Jugend. Denn in jeder Generation steht sie immer schon einen Schritt weiter als die Menschen vor ihr und läßt die weitere Entwicklung ahnen. Was heute zuerst jedem Beobachter auffällt, ist die bewußte Voraussetzungslosigkeit der jungen Menschen, die von der Vergangenheit keine Lehre erwarten, weil ihre eigene Lage so erstmalig neu ist. Alles Gewesene muß geradezu als nutzlos empfunden werden. I. Gegen die Bürgerlicnkeit In der heute üblichen wirtschaftlich-politischen Auswertung aller Erkenntnisse bedeutet die Ablehnung der Vergangenheit Verneinung der Lebensform dieser Zeit, weil sie in der Gegenwart nicht mehr möglich ist. Daher die Kampfansage gegen die Bürgerlichkeit und ihren ganzen gedanklichen Unterbau, den Liberalismus und Rationalismus, und gegen seine Wirtschaftsform, den Kapitalismus. Deshalb ist ja auch überall, wo heute Probleme jüdischer Jugend besprochen werden, eine der wichtigsten Fragen die „rote Assimilation", die Entfremdung vieler junger Menschen vom Judentum durch die ständig wachsende Werbekraft kommunistischer Gedankengänge. Jakob Wassermann nennt in seiner „Rede an die Jugend über das Leben im Geiste" l) den Ausdruck „hoffnungslose Jugend", der jetzt so oft gebraucht wird, ganz mit Recht eine contradictio in adjecto. Keine Jugend gibt sich selbst auf. Auch die rote *■) Vergl. hierzu die in den vorigen Heften begonnene Aussprache über das Thema: „Im Wandel des Denkens und Gestallens". D.S. -) Die Neue Rundschau. April ig32. 200

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