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Der Morgen · 1932-06-01 · Heft 2 (Juni 1932) · p. 159

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 2 (Juni 1932)
Article
[Rezension]
Date
1932-06-01
Page
159 (sequence 2)
Language
German
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Anzeigen Wunden der Gesellschaft legen zu sehen. Korruption, Verweichlichung der Lebenshaltung und Gesinnung sind leider bei uns nicht mehr zu leugnen. Wenn auch sein Handwerksmeister-Ideal weder vor den geschichtlichen Wissenschaften noch vor der Gegenwart ganz stand zu halten vermag, so ist es erfreulich, jemand sagen zu hören, daß mit der Maschinenidolatrie gebrochen werden muß. Es ist gut, einmal auf die ursprünglichen Formen zurückzugreifen und darüber nachzudenken. Wenn man die ganze bisherige Entwicklung durchdenkt, kommt man leicht an den Punkt, wo das Leben anfing, ungesund zu werden. Wie das Verhältnis von Boden und Menschenzahl durch Rechtsanschauungen, die uns selbstverständlich vorkommen, in Unordnung geriet, das ist sehr nachlesenswert. Und selbst auf die Gefahr hin, als Spießer abgetan zu werden, möchte ich nachdrücklich auf seine strengen Ansichten über Zucht und Sitte hinweisen. Wir brauchen sie wieder, wie wir auch den Abbau der „Unterstützungs-Gesinnung" brauchen. Es muß jeder wieder lernen, auf die eigene Kraft zu bauen und persönlichen Mut für sein eigenes Leben einzusetzen. Er legt Wert auf Verantwortung, also auf Mut und Beherrschung, die zwei Kardinaltugenden, die in der nahen Vergangenheit stark in den Hintergrund getreten waren. Bei dieser Wiedererweckung sind aber auch die beiden anderen der vier Kardinaltugenden nicht zu vergessen, nämlich Gerechtigkeit und Güte, die die neue faschistische Lebensauffassung .(wir können Paul Ernst in diese Richtung in vieler Hinsicht einreihen) außer acht läßt. Anzuerkennen ist die das Buch durchziehende Grundeinstellung, daß der Mensch sich in das Leben hineinwerfen soll, ohne lang Umschau zu halten nach Rente, Pension oder Versicherung, wenn auch Ernst nicht den Trost sieht, daß alle menschliche Ungleichheit des Schicksals vor Gott aufhört. Rita Hirschberg. Friedrich Karl Schumann: Volk und Geschichte. Festrede gehalten am 17. Jan. ig3i. Schriften der hessischen Hochschulen. Universität Gießen. Jahrgang io,3i, Heft 1. In der Kriegs- und Nachkriegszeit, die den tragenden Bau des deutschen Staates in den Grundfesten erschütterte, hat sich im deutschen politischen Denken eine entscheidende Umwandlung vollzogen. Hatte man seit 1870 im wesentlichen das Staatsvolk des Reiches Bismarcks mit dem deutschen Volke als geistig politischen Komplex einigermaßen gleichgesetzt, so begann jetzt eine grundsätzliche» Trennung der Begriffe deutsches Volk und deutscher Staat sich durchzusetzen. Man sah große Teile des deutschen Volksbodens vor sich, die zu Unrecht dem deutschen Staatszusammenhang entrissen waren. Große Gruppen deutschen Volkstums, die bisher in die alte Donaumonarchie und das Zarenreich eingebettet waren, wurden gezwungen, gegen die Zwingherrschaft der jungen Nationalstaaten des osteuropäischen Gürtels, sozusagen gegen ihren eigenen Staat wenigstens im Vorkriegssinn, einen nationalen Verteidigungskampf als Minderheit zu führen. Die Begriffe Volk und Staat mußten angesichts dieses Anschauungsunterrichts der Gegenwart notwendig neu gegeneinander ausgewogen werden. Zwei Richtungen können wir in diesem Klärungsprozeß unterscheiden: Eine radikalere „organische" Richtung betrachtet Volk auf Grund geistiger und körperlicher allgemein menschlicher Gesetze als etwas von Urzeiten her Gegebenes, in dem immanente Eigenschaften durch äußere und innere Einwirkung sich nur allmählich wandeln. Durch Heimatgefühl, Kulturbewußtsein, gemeinsame Geschichte und Abstammung wird in je nach dem Volkstum verschiedener Variation der ganze Komplex zusammengehalten. Die Staaten mit ihren Staatsnationen sind gewissermaßen Unterorgane dieses Volkstums, das sie formt, so daß, um an einem heutigen nahe liegenden Beispiel diese Anschauung klar zu machen, etwa zwischen den augenblicklich bestehenden rein von Menschen deutschen Volkstums bevölkerten sechs Staaten, den Monarchien Luxemburg, Liechtenstein, den demokratischen Republiken Deutsches Reich, Österreich, Danzig und der Räterepublik der Wolgadeutschen, ferner der weitgehend von deutschem Volkstum, nicht von der deutschen Nation, beeinflußten Schweiz, eine gemeinsame formende Komponente entsteht. Diese Richtung ,ist gegenwärtig dabei, eine systematische Volkstheorie zu entwickeln, die sie der bisherigen Staalstheorie gleich- und gegenüberstellt. In der konservativen Zeitschrift „Der Ring", Heft 4 vom 25. Januar ig3i, ist bereits als. Vorankündigung eines in den nächsten Jahren 159

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