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Der Morgen · 1932-06-01 · Heft 2 (Juni 1932) · p. 155

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 2 (Juni 1932)
Article
[Rezension]
Date
1932-06-01
Page
155 (sequence 1)
Language
German
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Anzeigen S. Rawidowicz:. Ludwig Feuerbachs Philosophie; Ursprung und Schicksal- Berlin (Reuther und Reichard) i,93i. Den Untersuchungen dieses Buchs, welche die Philosophie Ludwig Feuerbachs in ihrer Genesis und in ihren Auswirkungen bis in die feinsten Verzweigungen verfolgen, schreibt ihr Verfasser mit Recht eine aktuelle Bedeutung zu. Diese Bedeutung besitzt sie schon durch ihre Beziehung zur Philosophie Hegels, die schon im 100. Todesjahre dieses Denkers als eine der folgenreichsten Taten des deutschen Geistes gefeiert worden ist. Schon im Hinblick auf sie verdient die Persönlichkeit, die Geistesart und das Werk des Mannes höchste Aufmerksamkeit, der, wohl als wirkungsmächtigster Gegner des absoluten Idealismus, den politischen und sozialen Zielen der Zeit nach der Julirevolution einen extrem diesseitigen philosophischen xlusdruck verliehen und dadurch nicht zum wenigsten ehemals dazu beigetragen hat, die Herrschaft der Hegelschen Philosophie zu untergraben. Es entstehen hier sogleich Probleme von größter Tragweite: wie war es möglich und inwiefern berechtigt, daß Feuerbach, selbst zuerst begeisterter Anhänger Hegels, an die Stelle der Idee den sinnlichen Menschen setzte, und was bedeutet die neue Rückkehr zu Hegel? Um so wichtiger aber sind diese Probleme, weil aus dem Gewebe recht verschiedenartiger und -wertiger Gedanken der Feuerbachschen Philosophie Hauptmotive auch heute noch lebendig sind, so namentlich das zentrale. Problem des Menschen und Feuerbachs Religionspsychologie. Feuerbachs Philosophie ist demnach nicht nur eine Entwicklungsphase der geistigen Bewegung des 19. Jahrhunderts, die ihre Schuldigkeit getan hat. Was bedeutet sie darüber hinaus? Für die Beantwortung dieser Frage geben die äußerst gründlichen, auf ein ungeheures Material sich stützenden Studien dieses Werks allererst das Fundament. Rawidowicz hat in umfassendster Weise alle Seiten des Problems Feuerbachs ergriffen. Eine eingehende Darstellung widmet er der psychologisch, geistesgeschichtlich und insbesondere philosophisch interessanten Entwicklung Feuerbachs, für welche er eine viel stärkere und länger nachwirkende Abhängigkeit von Hegel nachweist als bisher angenommen zu werden pflegte; er beschäftigt sich ferner genauer mit Feuerbachs Verhältnis zu Kant, Jacobi, Fichte, Schelling, Schopenhauer. Größte Bewunderung verdienen seine Forschungen über das „Schicksal der Feuerbachschen Philosophie", über ihre Wirkungen bis auf unsre Tage. Keine noch so verschollene Zeitschrift, kein noch so verstecktes Dokument entgeht dem Spürsinn des Verfassers, und so ergibt sich ein überraschendes und eindrucksvolles Bild von der erstaunlichen Weite der Wirkungen des Philosophen bis auf die jüngste Gegenwart — genannt seien Freud und die dialektische Theologie — (das wertvolle Namenregister gibt eine Ahnung von dieser Weite und von des Verfassers Forschungsarbeit). Über die philosophischen Beziehungen hinaus werden so z.B. auch die bekannten Einflüsse Feuerbachs auf Gottfried Kellers Weltanschauung, auf den jungen Richard Wagner und auf die großen Sozialisten Karl Marx und Friedrich Engels von Rawidowicz neu aus den Quellen erforscht, unser Wissen darüber wird berichtigt und vervoüstän-, digt. Innerhalb der von Rawidowicz auf- 155

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