Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1932)
- Article
- Der Aufruhr gegen den Geist
- Date
- 1932-06-01
- Page
- 150 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst Holzer: Der Aufruhr gegen den Geist aus den Mächten des Blutes heraus" basieren? Und versteht man jetzt, da man die Gutgesinnten, die „Gebildeten" so sprechen hört, versteht man nun auch die anderen, die Rowdys der Gassen, die das alles allzu wörtlich auffassen und es umzudeuten wissen in die Aufforderung zur unbedachten und unbedenklichen Zerstörung? „Des Verstandes ganzes Geschäft", wird Hölderlin zustimmend zitiert, „ist Notwerk. Vor dem Unsinn, vor dem Unrecht schützt er uns, indem er ordnet; aber sicher zu sein vor Unsinn und vor Unrecht, ist doch nicht die höchste Stufe menschlicher Vortrefflichkeit." Nun ja, uns und — wir hoffen es? — allen, die sich zur Kulturmenschheit rechnen, scheint diese Sicherheit allerdings die höchste Stufe zu sein. Sicher zu sem vor Unsinn: Haben dafür nicht die Philosophen dreier Jahrtausende gedacht? Sicher zu sein vor Unrecht: Haben dafür nicht die Männer Gottes und die Führer der Erde gestritten, solange wir zurückschauen können? Gegen Unsinn und gegen Unrecht! Ist das nicht auch heute noch d i e Parole, das Manifest auch dieser Zeit? „Krisis. Ein politisches Manifest." Das Buch, das der Ministerialdirektor Oscar Müller herausgegeben hat (Erich Lichtenstein, Verlag, Weimar), könnte man mit Recht ein Manifest gegen Unsinn und gegen Unrecht nennen. Hervorragende Männer des „heutigen Systems", wie man es herabsetzend nennt, sprechen von dem „Bemühen, jene Voraussetzungen im Innern und nach Außen zu schaffen, die die Gewähr für einen deutschen Wiederaufstieg bieten" (Brüning). Wer dieses Buch zu sich sprechen läßt, wird feststellen, daß es auch eine einzige ununterbrochene Auseinandersetzung zwischen dem Irrationalen und dem Rationalen ist, zwischen einem „politischen Messianismus, der die klare Sicht der Wirklichkeit trübt" (Kaas), und dem sachlichen, vernunftgemäßen Durchdenken und dem energischen Einschlagen des Weges, der aufwärts und vorwärts führt. Für alle jene, Staatsmänner, Schriftsteller, Wissenschaftler, Wirtschaftsmänner, religiöse Führer, Künstler, die in diesem politischen Manifest als Träger deutscher Gegenwart, als Träger des republikanischen Staates, als Träger deutscher Zukunft sprechen, also als die Träger unserer Gegenwart und unserer Zukunft, für alle gilt die Erkenntnis des Descartes, die am Anfang unserer Kultur steht: cogito, ergo sum! Das Denken, der Geist ist der Grund des Daseins. t50