Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1932)
- Article
- Aus den Jugenderinnerungen Steinthals
- Date
- 1932-06-01
- Page
- 141 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den Jugenderinnerungen Steinthals mit einer Vorbemerkung Von Leo Baedt Vorbemerkung: Heymann Steinthal gehört zu den wenigen Forschern der vorigen Generation, deren Gedanken in unsere Tage hineinreichen. Nach zwei Richtungen erstreckt sich sein Einfluß. Zunächst zur modernen Psychologie hin. In der psychologischen Wissenschaft seiner Zeit hatte Steinthal den besonderen Platz dadurch, daß er die lebendige Kraft und die funktionelle Bedeutung erkannte, die jedem der Seele eingefügten Bewußtseinsinhalt zukommt, und daß er die wirksamen Zusammenhänge von Erlebnis und Erinnerung aufzeigte, die sich daraus ergeben. Er hatte dargelegt, wie „die Seele von ihren Reaktionen beherrscht wird"; denn deren jede behält „eine bestimmte Selbständigkeit in der Seele, eine Existenz in irgendeiner Form und von einer gewissen Macht, sich in der Seele zu betätigen". Eine deutliche Linie führt von hier zur Tiefenpsychologie und Psychoanalyse wie auch zur Charakterologie der Gegenwart. Die andere Richtung ist die in der Wissenschaft von der Sprache. Steinthal hatte ihrem Werden und Wesen vor allem von der Beobachtung seelischen und worthaften Ausdrucks, besonders auch am Kinde, nahezukommen gesucht. Diesem Wege haben sich moderne Pädagogen wieder zugewandt, ganz besonders der erste starke Anreger unserer Arbeits- und Lebensschule, Berthold Otto. Dessen Lehre von der „Altersmundart" und von der Pädagogik vom Kinde aus hat von der Steinthalschen Sprachpsychologie ihren Ausgang genommen; er spricht selbst des öfteren dankbar davon. 141