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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Der Untergang des Judentums [Rezension]
Date
1932-04-01
Page
72 (sequence 9)
Language
German
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Eva Reichmann-Jungmann: „Der Untergang des Judentums" den Gedanken der Gemeinschaft, den Gedanken wesensechter Eigenleistung der Kulturen. Er nahm ihn auf, weil üich sein Wert erwies, so entgegengesetzt er seinem ursprünglichen Inhalt auch war. "Vorher allerdings hatte die Judenheit durch zahlreiche Taufopfer an die Idee der einheitlichen Menschheit schon ihren Tribut geleistet. Auch im Kommunismus — wenn wir einmal den zweifelhaften Fall annehmen, daß er die Zukunft Europas entscheidend bestimmen könnte — muß es nicht so kommen, wie die übereifrigen Agitatoren die Zukunft des Judentums heute in ihren Wunschbildern sehen. Diese Feststellung kann uns zunächst zufriedenstellen. Es genügt, daß der Fortbestand des Judentums in einer sozialistischen Gesellschaft als möglich erkannt wird. Darüber, ob er wünschenswert ist, ob es sich lohnt, mit allen Kräften des Geistes und der Seele, der Wissenschaft und der religiösen Inbrunst dafür zu arbeiten, daß das Judentum jede wie immer geartete Gesellschaftsform der Zukunft befruchte wie es ungezählte Kulturen der Vergangenheit befruchtet hat, — darüber haben zu allen Zeiten nicht die Abtrünnigen entschieden, sondern die Bekenner. Bestand und Untergang der deutschen Juden Antwort an Constantin Brunner Von Mauritius Kahn Über Bestand oder Untergang eines lebendigen Gefüges haben, zum Glück, nicht Philosophen zu entscheiden. Nicht diejenigen, die fernab von ihm sich Gedanken darüber machen, welche Kräfte das Gewebe binden und halten. Zugegeben, daß von außen her Baugesetz und Bindung sichtbarer sind, daß der Blick die Verästelungen bis ins feinste überschaut und daß endlich auch im Lebendigen der Gedanke Übersicht und Ordnung schafft: dies alles zugegeben bleibt doch das grundsätzliche Unvermögen, sich hinein-zu-d e n k e n , — hinein führen nur Lebenswege; darinnen ist nur, wer bineinverwoben ist. Wer den Zusammenhang wissend und wollend gelockert hat, bleibt, bei aller Gedankentiefe, dem Leben grundsätzlich fern. Bloße Reflexion stellt immer einen unfruchtbaren Leerlauf dar. Dies scheint uns der entscheidende und grundsätzliche Einwand gegen eine Philosophie der jüdischen Lage zu sein, wie sie Constantin Brunner in vielen 72

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