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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Jüdisches Mittelalter in Frankreich und Deutschland
Date
1932-04-01
Page
55 (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Mittelalter in Frankreich und Deutschland Von Ludwig Rosenthal Mit der römischen Herrschaft siedeln Juden in Gallien und der Rheinlandschaft. Sichere Zeugnisse über ihr Vorhandensein in Köln haben wir aus dem Anfang des 3. Jahrhunderts. Die bürgerliche und kirchliche Gesetzgebung der kommenden Jahrhunderte drückt die Juden, wenn auch ihr Bekenntnis als religio licita, „geduldete Religion" erklärt war, mehr und mehr zu Bürgern zweiter Klasse herab und bereitet die Ausnahmestellung vor, unter der sie die Martyrien des Mittelalters zu erdulden hatten; aus diesen konnte ihnen, wie bei der Blutbeschuldigung und der der schwarzen Todes, auch ein gelegentliches Eingreifen der Päpste nicht helfen. Wir haben einzelne Berichte über Juden und jüdische Verhältnisse zur Zeit der Merowinger und Karolinger, besonders unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen. Zu Ende des 10. Jahrhunderts bestehen schon bedeutende Gemeinden in Paris, Orleans, Lyon; in Deutschland, außer in Köln, in Speyer, Mainz, Worms, Metz, Regensburg, Merseburg, Magdeburg und weiter nach Osten. In Mainz traf der aus Metz eingewanderte Gerschom ben Juda um das Jahr iooo Regelungen hinsichüich der sozialen Verhältnisse seiner Glaubensgenossen. Von ihnen ist die bekannteste die Einbeziehung der, biblisch erlaubten, Polygamie unter die religiösen Verbote. Aus der zweiten Hälfte des n. Jahrhunderts ragt in einsamer Größe auf: Salomo ben Isak aus Troyes, unter dem abgekürzten Namen „Raschi" als der Talmud- und Bibelerklärer kat exochen bekannt. Er hat mit seinen Glossen zum Talmud, die in ihrer Knappheit und Sachlichkeit ein unentbehrlicher Wegweiser für dessen Verständnis geworden und für alle Zeit geblieben sind, dem Talmudstudium die künftige Entwicklung vorgezeichnet: niemals ist bis auf diesen Tag der Talmud ohne Raschis Kommentar gedruckt worden. Und er hat, in geistig und religionsgeschichtlich noch größerem Wurf, mit seiner Bibelerklärung ein natürliches, einfaches und ungesuchtes Bibelverständ- 55

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