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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern
Date
1932-04-01
Page
54 (sequence 13)
Language
German
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I. Heinemann: Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern Völkern ist die Berührung mit dem Hellenentum ungemein folgenschwer geworden. In seichter Oberflächlichkeit aufgefaßt, ist es beiden Kulturen höchst gefährlich gewesen; sein tieferes Wesen aber hat hüben und drüben wertvolle Menschen angezogen und zu bedeutenden Leistungen geführt. Die Römer übernahmen griechische Kunst und Wissenschaft in viel umfassenderem Sinne als die Juden, und darauf, daß sie es konnten, beruht vor allem ihre kulturgeschichtliche Bedeutung. Bei den Juden wirkt der Hellenismus fast nur auf eine Stelle ihres geistigen Organismus, aber gerade auf die empfindlichste, auf die Trägerin der Lebenskraft und des Lebensinhaltes des Volkes; die Wellen, die er erzeugt hat, sind spärlicher, aber tiefer gewesen als in Rom. Hier wie dort hat das hellenische Denken das Menschheitliche stark hervortreten lassen und in gewissem Sinne, auch in seiner edlen Auffassung, die ungebrochene Freude an der Sonderart der Völker und deren Zusammenhalt bedroht; aber hier wie dort fehlt es nicht an Versuchen, gerade am Gegensatz des Fremden die eigene Axt und ihren Wert zu erkennen. Über den Wert der Systeme, die aus der Synthese des Hellenentums und der Nationalkulturen erwachsen sind, werden die Urteile notwendig auseinandergehen; unbestreitbar abec zeugen sie von der befruchtenden und anregenden Macht des griechischen Geistes wie von der Lebenskraft der Kulturen, die trotz seiner Einwirkung, ja, vielleicht gerade durch sie, ihre Sonderart zu erhalten suchen. Hinweise auf Quellen und auf Vorarbeiten werden dem Sonderdruck dieser Aufsatzreihe angefügt werden, der demnächst im Philo-Verlag erscheint. Manche Quellenangaben finden sich bereits in meinen Schriften: „Die Lehre von der Zweckbestimmung des Menschen im griechischrömischen Altertum und im jüdischen Mittelalter" 1926, 89 ff. und „Philons griechische und jüdische Bildung" 1982, 554 ff-, sowie in meinem Beitrag „Humanitas" zu Pauly-Krolls Realenzyklopädie der Altertumswissenschaft Suppl. V, 282 ff. Die Zitate im 2. Abschnitt stammen aus Richard Heinze, Von den Ursachen der Größe Roms 2 1925, 12, und Max Wiener, Jüdische Frömmigkeit und religiöses Dogma, Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums 1924, 233 ff. Von sonstigen Arbeiten besonders wichtig: Richard Härder, Die Einbürgerung der Philosophie in Rom, „Die Antike" V, 291 ff. 54

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