Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1932)
- Article
- Lebenserinnerungen [Rezension]
- Date
- 1932-02-01
- Page
- 547 (sequence 1)
- Language
- German
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„Lebenserinnerimgen" Von S. Levi Lebenserinnerungen sind Bekenntnisse vom Ich; auch Bekenntnisse zum Ich. Vielleicht sind Lebenserinnerungen jüdischer Menschen deshalb verhältnismäßig selten, weil man sich scheut, sein Ich herauszustellen; vielleicht auch., weil man jedes Leben als etwas einmaliges erfaßt und die AUgemeinbedeutung seiner Darstellung gering bewertet hat. Jetzt haben fast gleichzeitig drei jüdische Männer ihre Lebenserinnerungen veröffentlicht: Heinrich Kurtzig1), Shmarya Levin2) und Franz Oppenheime r.3) Obwohl die drei Erzähler mit ihrer Kindheit fast in der gleichen Zeit wurzeln, haben sie völlig Verschiedenes zu berichten. Kurtzig nennt sein Buch: „An der Grenze". An der Ostgrenze des deutschen Vaterlandes, in einem kleinen Städtchen mit einer lebendigen jüdischen Gemeinde, lag sein Jugendland. Die ersten zwanzig Lebensjahre etwa, die er dort verbrachte, werden geschildert. Eigene Erlebnisse sind zwar verwertet, aber Namen der Persönlichkeiten und Ereignisse des Lebenskreises sind typisch gewählt. Diese Erinnerungen lassen sogar Anwendung auf verschiedene Gegenden zu, halten frühere Zeitzustände belehrend und unterhaltsam fest, aber die Typisierung verwischt das Einmalige der Tatsächlichkeiten, schaltet die mitschaffende Fantasie des Lesers aus. Kurtzig bekennt nicht sein eigenes, eigentliches Leben, er gibt eine novellistische Kulturschilderung in typisierender Art. Levin nennt sein Buch: „Kindheit im Exil". Dieser bekannte jüdisch-politische Führer und Werberedner schildert auf 32Ö Seiten die ersten dreizehn Lebensx) Kurtzig, Heinrich: „An der Grenze". Kulturgeschichtliche Erzählung. Gustav Engel Verlag, Leipzig 1981. 180 S. 2) Levin. Shmarya: „Kindheit im Exil". (Titel der in Amerika erschienenen Originalausgabe: „Childhood in exile", deutsche Übertragung von Martha Fleischmann.) Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1901. 326 S. 3) Oppenheimer, Franz: „Erlebtes — Erstrebtes — Erreichtes". Erinnerungen. Der Heine- Bund, Berlin. 259 S. 547