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Der Morgen · 1932-02-01 · Heft 6 (Februar 1932) · p. 518

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 6 (Februar 1932)
Article
Zwischen Wittenberg und Rom [Rezension]
Date
1932-02-01
Page
518 (sequence 3)
Language
German
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Leo Baeck das Anzeichen eines schlechten Gewissens, einer inneren Zwiespältigkeit, die um sich weiß und sich hinter der krampfhaften, pathetischen Darbietung eines Gegenteils verstecken will. Wer etwas zu verbergen hat, ist fast immer radikal; auch der Falstaff, auch der miles gloriosus pflegt es daher zu sein. Vor allem aber Menschen der Übergangszeiten — körperlicher wie seelischer, und daher vornehmlich auch der Zeiten eines geschichtlichen Bruches — sind dem Radikalismus nur zu leicht anheimgegeben. Er ist eines der deutlichsten Anzeichen und Merkmale einer Krisis; das Fehlen oder Versinken einer Grundlage im Menschlichen, im Politischen oder Sozialen wird durch ihn immer alsbald erkennbar. Das Buch von Hellpach ist kein radikales, schon deshalb, weil die Religion, die es neu verkünden will, ihren alten Mittelpunkt und die alten geprägten Züge sich zu wahren sucht. Es hat seine gesunde Gemessenheit, seine unromantische Verständigkeit, es zeugt zudem von Geist und auch von esprit; es hat manches, was an das französische Schrifttum in seinen besten Vertretern erinnert. Nicht zum mindesten in seiner Klarheit und Gefügtheit, auch in der Feinheit seiner Psychologie tritt diese Gemeinschaft hervor. Der französische Genius hat es als geschichtliches Geschenk empfangen, daß von den Tagen der Aufklärung deren Linie fast ununterbrochen, kaum je abgelenkt, weitergeführt hat; Romantik und Reaktion sind hier nur Nebenpfade gewesen. Dem deutschen Genius war es, aufgabenreich und auch oft schmerzlich, bestimmt, daß die Richtung, die ihm die Aufklärung, der Idealismus und die Klassik mit ihrem Humanismus gebahnt hatten, nicht eine Stetigkeit des Weges haben durfte; sie ist zweimal unterbrochen und entscheidend abgelenkt worden. Vieles von der Verschiedenheit in der geistigen Geschichte der beiden Völker, nicht weniges an dem häufigen gegenseitigen Mißverstehen kommt sicherlich hiervon her. In Hellpachs Buch, in seiner Stilart und seiner Eigentümlichkeit, ist manches von hüben und drüben; man könnte bisweilen versucht sein, zu meinen, es sei nicht nur zwischen Wittenberg und Rom, sondern gewissermaßen auch zwischen Wittenberg und Paris. In einem auch zeigt sich diese Verwandtschaft. Die Probleme sind in diesem Buche bisweilen zu einfach, zu graöUinig gesehen. Die Tiefe ihrer Verwurzelung und auch die Weite ihrer Verzweigung wird nicht immer erkennbar gemacht. Sicherlich spricht darin zum Teil eine Absicht, zumal was die Verzweigung angeht. Die Untersuchung der Fragen, die Prüfung der Vorwürfe ist wesentlich auf Protestantismus und Katholizismus beschränkt. Zu der russi- 518

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