Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1932)
- Article
- Nachwort
- Date
- 1932-02-01
- Page
- 513 (sequence 1)
- Language
- German
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Nadiwort Von Max Dienemann Die vorstehenden Ausführungen zu Quervains Buch sind um so willkommener, als es betonte Aufgabe dieser Zeitschrift ist, die erhaltenden und aufbauenden Kräfte im religiösen und staatlichen Leben aufzuspüren und zu steigern. Sie kann und darf darum nicht abseits stehen, wenn die Linien eines neuen konservativen Denkens sich abzuzeichnen beginnen, aus dem, wenn es wirklich den ersehnten konservativen Staat formt, ein ganz Anderes erwachsen wird als das „dritte Reich". (Davon wird noch des öfteren zu lesen sein.) Eben darum aber ist es notwendig, den obigen Ausführungen, auch wo sie nur Zitat sind, einiges hinzuzufügen, damit nicht Mißverständnisse entstehen. Es ist schon richtig, daß „die «jüdische Humanität» nicht als jüdischreEgiöses Bekenntnis auftreten kann", aber nur in dem Sinne, daß der Humanitätsgedanke nicht als alleiniger Inhalt eines religiösen Bekenntnisses gelten kann. Es hatten in der Tat Viele geglaubt, man könne Judentum auf die Formel reduzieren, daß es der Menschheitsgedanke ist und daß alles andere in ihm überflüssiges Beiwerk sei. Sich dagegen aufzulehnen und dem religiösen Bekennen seine Fülle und alle seine irrationalen Inhalte zurückzuerobern, ist schon gut und notwendig. Es muß aber fest im Bewußtsein wurzeln, daß Humanität zum religiösen Bekenntnis gehört, daß ihr Inhalt und ihre Begründung nicht nur politisch, nicht nur philosophisch bestimmt sein darf, daß sie wirksam nur ist, wenn sie religiös unterbaut, Bestandteil des religiösen Bekennens ist und daß von dem Ziel der „Humanität" das religiöse Bekennen Schwung und Weihe empfängt. Darum war und bleibt es notwendig, sie als dem religiösen Bestand des Judentumes unverbrüchlich zugehörig zu empfinden. Schon deshalb, weil es eine Trennung der Seelenbezirke nicht geben darf und nichts sich im staatlichen Leben auswirken kann, was nicht auch vom Religiösen her Ziel allen Aufbaus ist. Es bleibt also gerade bei dem tief Empfindenden der Wille, das, was man mit den Mitteln der Politik und in den wechselnden Formen des politischen Lebens erstrebt, als Wirkung seiner Religiosität zu erstreben, und man 33 513