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Der Morgen · 1931-10-01 · Heft 4 (Oktober 1931) · p. 381

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 4 (Oktober 1931)
Article
[Rezension]
Date
1931-10-01
Page
381 (sequence 2)
Language
German
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Anzeigern schaftsgeschichte") die Werke von Caro, Sombart und Holdheim angeführt sind. Außer dem erwähnten Grundfehler des Artikels fordert namentlich der von überraschend geringer Sachkenntnis zeugende Abschnitt „Die Bestrebungen zur Sammlung und Neubelebung" scharfe Kritik heraus. Dieser Abschnitt trägt die Überschrift „Zionismus". Doch die dort mit Recht an die Spitze gestellte Gründung der Alliance Israelite Universelle erfolgte schon 1860 und die dann genannte Gründung des Zentralvereins schon 1893, während der Zionismus durch Herzl und Norden erst 1897 (nicht, wie irrtümlich in der Zeittafel angegeben, i8g4) gegründet wurde. Andererseits zeigt sich der Schreiber des Artikels ebensoschlecht über den Zionismus orientiert, wenn er unter „Judenfrage" die Kolonien in Palästina ausschließlich als ein Werk des Barons Edmund von Rothschild ansieht oder wenn er (Sp. 473a) ihre Zahl in Palästina auf 84 000, also 8,90/0 der Gesamtbevölkerung angibt, während sie in Wirklichkeit 170000, d. i. 180/0, beträgt. Dieselbe falsche Ziffer findet sich auch Sp. 478b unter Judenmission. Anlaß zur Beanstandung gibt namentlich auch die Sp. 475 gebotenen Zeittafel zur Geschichte der Juden, in welcher von wichtigen Daten des 19. Jahrh. zum Beispiel fehlen: 1808 Erste Emanzipation deutscher Juden ^in Westfalen und Baden), 1812 Emanzipa-* tion in Preußen, i84o Blutbeschuldigung von Damaskus, 1879 Beginn des politischen Antisemitismus, 1881 Beginn der Judenpogrome in Rußland. Die Wiedergeburt der hebräischen Sprache und Literatur begann nicht erst 1908, sondern mehr als ein Menschenalter früher. Von Einzelirrtümern seien nur folgende herausgegriffen: Die den Artikel eröffnende Feststellung, daß Palästina noch heute das „Kernland" der Juden bilde, wird schon durch die Tatsache widerlegt, daß selbst die heutige Einwohnerzahl noch nicht viel mehr als ein Prozent ihrer Gesamtzahl beträgt. — Unter den Gründen der Schwächung des Bevölkerungszuwaches in den letzten Jahren ist auch auf die Nachkriegspogrome in Polen und Ukraine hinzuweisen. — Sp. 473a Abs. 3 ist zwar der Verfasser des Artikels so herablassend, die vielen Züge, die von manchen Seiten als den Juden besonders eigentümlich angesehen werden (Überwertung des materiellen Verdienstes, „Händlergeist", Abneigung gegen Schwerarbeit, Mangel an Disziplin und Mut, einseitige und abstrakte Geistigkeit, Mangel an Bodenständigkeit, Oppositionsstellung zur staatlichen Ordnung u.a.), milder zu beurteilen, indem dieselben vielleicht weniger „Volkscharakter" als natürliche Folgen dieser Zwangslage ,JMilieuerscheinung" darstellen. Sind das aber etwa die einzigen charakteristischen Züge; welche die Juden aufweisen?! — In Abschnitt h sind in der Geschichte der Juden in Deutschland die gegen sie im Mittelalter erhobenen falschen Beschuldigungen (Ritualmord, Brunnenvergiftung, Hostienschändung^ mit ihren entsetzlichen Folgen nicht mit einem Worte erwähnt. — Ergänzungsbedürftig ist die Liste der am Schluß des Literaturverzeichnisses angegebenen Zeitschriften, insofern als die ausländischen (englisch, französisch, hebräisch) Organe überhaupt nicht genannt werden und auch die deutschen nur unvollständig aufgeführt sind. Auch die anderen, das Judentum betreffenden oder interessierenden Artikel des Bandes geben mehrfach Anlaß zu Ausstellungen, z.B. Jerusalem und Judenmission. Ersterer schließt mit der Feststellung, daß die Eroberung Palästinas durch die Engländer (1917) eine neue Blüte des Aufstiegs einleitete. Daß dieser .Aufstieg aber zum allergrößten Teil jüdischer Leistung zuzuschreiben ist, ist nirgends erwähnt. Der Artikel nennt zwar die zahlreichen jüdischen Kolonien in den Vorstädten, die Hebräische Universität und die Jüdische Gewerbeschule (gemeint ist wohl die Kunstgewerbeschule Bezalel), während das reich entwickelte Schulwesen, die Wohltätigkeitsanstalten und Krankenhäuser, vor allem die Tätigkeit der Hadassah totgeschwiegen werden, und auch im Literaturverzeichnis am Schluß kein Werk über das heutige jüdische Jerusalem, nicht einmal Gurevich, Statistisches Handbuch für Palästina, 1929 genannt ist. Der Artikel Judenmission läßt die Inquisition (wohl aus Scham) vollkommen unerwähnt, dafür betont er, daß „der Antisemitismus auf christlicher und der Zionismus auf jüdischer Seite die Judenmission hindern", ohne mit einem Worte anzudeuten, welche religiös-sittlichen Kräfte vom 4- bis zum 19. Jahrhundert die Arbeit der Kirche an Israel praktisch fast zur Erfolglosigkeit verdammten. Die angeführten Mängel dürften genügen, 38t

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