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Der Morgen · 1931-08-01 · Heft 3 (August 1931) · p. 303

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 3 (August 1931)
Article
Der mensch als Bild und Bildner seiner Zeit [Rezension]
Date
1931-08-01
Page
303 (sequence 1)
Language
German
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Der Mensch als Bild und Bildner seiner Zeit Von Max Dienemann Das Reizvolle und Wichtige einer Lebensbeschreibung ist nicht wie der Mensch, der in ihr beschrieben wird, als Persönlichkeit in seinem Erleben und Wirken vor uns ersteht, sondern wie aus ihr das Bild der Zeit abzulesen ist. Wie die Zeit einen Menschen geformt hat, was sie ihm eingegeben, wie er auf sie zu wirken und wie er sie zu meistern versucht, das allein ist wesentlich und bestimmend für den Wert der Darstellung eines Lebens. Darum ist dem Buche von Hans Cohn: „Martin Bub er. Sein Werk und seine Zeit" eine besondere Bedeutung zuzumessen.1) Es ist geschrieben zum oo. Geburtstag Martin Bubers (8. Febr. 1928); dem äußeren Rahmen nach führt es in das Schaffen Bubers ein, in seine Gedankenwelt, in das Werden seiner Gedanken. Das wäre bei dieser Persönlichkeit schon an sich wichtig und reizvoll. Aber das Buch ist weit mehr als nur die Biographie eines Lebenden und Wirkenden. Es ist zugleich, indem es den Mann und sein Wirken in seiner Zeit schildert, eine in knappster Darstellung umfassend unterrichtende Studie über die Zeit und den Wandel der Anschauungen in ihr. Also eine Kulturgeschichte. Man schaut das geistige Wien der 90er Jahre, die Welt des Chassidismus, wie Buber ihn gesehen und begriffen hat, tut sich auf; innere Auseinandersetzungen im werdenden und reifenden Zionismus, über den Begriff des Nationalismus und seine Auswertung erstehen aufs neue, man erfährt die Berührung mit der Mystik in ihren verschiedenen Verzweigungen im europäischen und im asiatischen Kulturkreis. Man erlebt Bubers Entdeckung der Sprache als eines schöpferischen Uraktes des Geistes und damit eine neue fruchtbare Art, die Bibel zu lesen und zu verstehen, in ihr die Begegnung des Menschen mit Gott, die Entdeckung des Du- Sagens zu Gott zu erfahren. Und zugleich ersteht auch die Frage, was es um Erziehung ist, und wie Politik vom Religiösen her getrieben werden kann. Dem Verfasser scheint die Antwort auf diese letzte Frage das Wichtigste in Bubers Lebenswerk zu sein, denn er gibt 1900 Verlag Jacob Hegner in Hellerau. 280 S. Text. S. 2S7—378 Anmerkungen. S. 379—4o3 Bibliogaphie der Abhandlungen über Bubers Werk. Geb. i4 RM. 303

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