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Der Morgen · 1931-08-01 · Heft 3 (August 1931) · p. 293

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 3 (August 1931)
Article
Der Franzose auf der Wodans-Eiche
Date
1931-08-01
Page
293 (sequence 5)
Language
German
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Der Franzose auf der Wodans-Eiche der nationalsozialistischen. Mit dem naiven Kinderglauben, er trüge das Kreuz auf dem ritterlichen Schild und mit der Blindheit geschlagen, die nicht sehen kann, daß dieses Kreuz an allen vier Ecken verdächtige Auswüchse zeigt, Haken, die sich beizeiten krümmen; unter dem Zeichen des Hakenkreuzes will Bernanos kämpfen. Er weiß nicht, daß die Idee von der „Rasse" und daß die Idee des „Antisemitismus" Schwestern sind, Schwestern des „Materialismus" des ig. Jahrhunderts, Zeit- und Wiegengenossinnen jener Plattheit, die den heroischen Menschen stürzt, um den kleinbürgerlichen einzusetzen, den aufgeklärten anstatt des Gläubigen, den Vetter des Affen anstatt des göttlichen Ebenbilds, den hochmütigen Bürger an Stelle der demütigen Noblesse und der noblen Demut. Er hat. blondgläubig und blind, ein „Idealist", den Sündenbock gefunden: den Juden, der handelt, den Typ des Geldmenschen, der kaufen kann, wo andere kämpfen müssen. Diese haarsträubende Ignoranz, der die Schwarzhaarigkeit mit der Börse identisch erscheint und die aus der Tatsache, daß es „Levantiner" gibt, das Recht zu dem Sakrileg ableitet, Gottes Ratschluß zu korrigieren und Christus wegen seiner Herkunft zu bedauern, diese Ignoranz ist das deutlichste Kennzeichen des „Heidentums", der mißlungenen Taufe, der Stimme des Urgroßvaters aus der Eisbärhöhle, auf den Bernanos so stolz ist. In diesem Beifall, den er prügelnden Straßenräubern klatscht, meldet sich der Ahne mit der Keule. Wie kann jemand, der an die göttliche Gnade glaubt, eine Gemeinschaft verurteilen? Und wie kann jemand, der eine Gemeinschaft verurteilt,, nicht einsehen, daß er ein intimer Bruder der „kollektivistischen" Gesinnung wird? Wie kann einer, der höchstens die Bekanntschaft des Herrn Arthur Meyer gemacht hat, das westliche Produkt einer barbarischen Glaubens-Verfolgung und eines echt europäischen zweckhaften Denkens, den Anspruch erheben, die Juden zu kennen? Dieses Volk, dessen geheimnisvolle östliche Massen, weit entfernt von jeder okzidentalen, bequemen Sparkassen-Bürgerlichkeit, jeden Tag aufs neue gekreuzigt werden, Wunder erleben, Hungers sterben, für den Gott, den der Antisemit anzubeten vorgibt? Hat dieser französische Katholik keine Ahnung davon, daß ihm, wenn er nur katholisch ist, der weißrussische Chassid näher ist als sein eigener Verleger aus Paris? Er weiß es nicht. Ihn aufzuklären ist wahrschein]ich zwecklos. Aber es galt, einmal festzustellen, daß unter den anständigen Kämpfern für die Wiederaufrichtung der menschlichen Würde sich zu Unrecht Antisemiten befinden. Die Antisemiten gehören auf die andere Seite. Kleinbürgerlich, materialistisch, niedrig, wie sie sind, haben sie gar nichts zu tun mit Gläubigkeit, Heroismus und Gnade. Nur ein Schwerhöriger verwechselt Das, was er die „Stimme seiner Rasse" nennt, mit der Stimme des Himmels. Es gibt, ohne Zweifel, auch taube Katholiken. 293

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