Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 3 (August 1931)
- Article
- Ein kurzes Wort über Judentum und Weltreligion
- Date
- 1931-08-01
- Page
- 225 (sequence 1)
- Language
- German
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Ein kurzes Wort über Judentum und Weltreligion Von Claude G. Montefiore Ins Deutsdie übertragen von Margarete Goldstein Zu Leo Baecks Aufsatz in Heft I dieses Jahrgangs „Yolksreligion und Weltreligion" sendet Claude G. Montefiore den nachstehenden Beitrag ein. Der Verfasser gibt damit einer Strömung und Denkweise im englischen Liberalismus Ausdruck. Leo Baecks Nachwort folgt auf Seite 232 dieses Heftes. D.S. In einem bemerkenswerten Aufsatz des „Morgen" (Nr. i, VIL Jahrgang) zeigt Leo Baeck die Unzulänglichkeiten der heute üblichen und gebräuchlichen Einteilung der Religionen in Volksreligionen und Weltreligionen. Eine Weltreligion wird nicht immer frei von nationaler Begrenzung sein: sie wird für einige Völker und Gebiete der Erde geeignet sein und für andere nicht, und auch innerhalb ihres eignen Gebietes hat sie ihre nationalen Bestimmtheiten. So ist z.B. der spanische Katholizismus nicht der gleiche wie der deutsche, und der Katholizismus in den Vereinigten Staaten unterscheidet sich wiederum sowohl von dem spanischen als auch von dem deutschen. Der japanische Buddhismus ist dem auf Ceylon ganz unähnlich, und es ist äußerst fraglich, ob z.B. der Buddhismus in Europa je Anhänger finden kann. Andrerseits haben alle Religionen in einem gegebenen und begrenzten Gebiete, das von anderen Gebieten abgetrennt ist, eine gewisse Gleichheit So haben alle amerikanischen Religionen einen gewissen gleichen Zug. Baeck behauptet, daß das eigentlich Bestimmende einer Weltreligion nicht in ihrer Quantität^ sondern in ihrer Qualität liege; es ist keine Frage des Umfangs, sondern des Charakters. Baeck mochte, daß Weltreligion nicht in Gegensatz zu Nationalreligion gebracht werde, sondern zu dem, was er Staatsreligion nennt Eine wahre Weltreligion birgt den Gedanken einer rein menschlichen Geseli- 15 225