Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1931)
- Article
- Der handelnde Mensch und das Rationale [Rezension]
- Date
- 1931-06-01
- Page
- 201 (sequence 4)
- Language
- German
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Der handelnde Mensch und das Rationale metaphysischen Anspruch der egozentrischen Form zu entkleiden, in dem er zunächst dem Bewußtsein sich darstellt." Dabei ergibt sich, daß der für die Beziehung des Menschen zu den Sachgütern charakteristische Begriff: Wert, und der die soziale Funktion abspiegelnde Begriff: Gemeinschaft, im Grund identisch, sich nur durch die stärkere Betonung im ersten Fall des sachlichen, im anderen Fall des persönlichen Momentes, unterscheiden. Vergleich und Gleichnis, in ihrer Funktion der Angleichung des doch nicht Gleichen, ermöglichen Steigerungen bis zu jenen Ganzheiten, welche alle Metaphysik im Auge haben. Den Abschluß der Betrachtung bildet eine Untersuchung der Gemeinschaft als Idee. M. geht von dem Sozialapriori aus, welches alle Erkenntnis beherrscht. Denn der ganze Erkenntnisprozeß ist, wie es Max Adler 1924 formuliert hat, an die vergesellschafteten Menschen geknüpft. Nicht nur die Erkenntnis ist es, sondern auch die Sittlichkeit und alle einzelnen Lebensinhalte. In der übergeordneten Gemeinschaft zwischen den naturwissenschaftlich nur Gegensätze bildenden Momenten des Lebens und des Todes gewinnt auch der physische Tod einen neuen Anblick und so sind in dieser metaphysischen Dialektik auch die Gegensätze, die unser soziales Dasein bestimmen, wenigstens — prinzipiell — überwindbar. Überwindbar ist der von der Psychoanalyse aufgezeigte Gegensatz zwischen Unbewußtem und Bewußtem. In ihm liegt ein produktives, plastisches, wertbildendes Motiv, ein Motiv der Gesundheit, der Gesundung innerhalb unserer Psyche. Das Bewußtsein kehrt aus den Spannungen zur Gemeinschaft mit seinen tiefsten Quellen zurück. Damit kommen wir zu unserem Ausgangsproblem. Das Handeln bezieht sich zunächst immer auf die aktuelle Situation; sie wird im Bewußtsein ergriffen, „rationalisiert"; aber in jedem Augenblicke spiegelt sich die Unendlichkeit und in jeder aktuellen Situation der tiefste Sinn des Gesamtdaseins. Darum wird das Handeln nicht nur durch den der Aktualität zugewandten Kürwillen (Tönnies), sondern auch durch den Wesenswillen bestimmt; den Ausgleich zu finden ist unter Umständen der geniale Instinkt fähig. In den sozialen Kämpfen aber gelangt zu solchem Ausgleich nur die methodische Besinnung, der methodische Rationalismus. In einem demnächst erscheinenden Buch: Von der Vernunft bis zur Rationalisierung (Studien zum wirtschaftlichen Rationalismus und zur Berufserziehung) wurde die Aufgabe der rationalen Wissenschaft dahin bestimmt, daß sie durch geduldiges Ausgraben der verschütteten irrationalen Kräfte dem unfruchtbar gewordenen Zeitalter die Berührung mit dem Mutterboden wieder ermöglichen solle. Auch die Untersuchungen von Mutius' sind auf dieses gemeinsame Ziel aller wahrhaften Wissenschaft ausgerichtet. 201