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Der Morgen · 1931-06-01 · Heft 2 (Juni 1931) · p. 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 2 (Juni 1931)
Article
Der handelnde Mensch und das Rationale [Rezension]
Date
1931-06-01
Page
200 (sequence 3)
Language
German
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W. Eliasberg hing in letzten Tiefen verankert. Wer wollte es wagen zu handeln, ohne wenigstens den Versuch zu machen in die Tiefe zu dringen. Gliche er nicht allzusehr dem Mann in der bekannten Parabel Rückerts, der zwischen des Kameles Wut und dem Drachen in der Flut, inmitten der Mäuse Tückespiel, sich nur flüchtigem Genüsse hinzugeben weiß. Der Mann in der Parabel genießt und ist solchergestalt dem Augenblicke verhaftet. Alles Handeln aber gehört der Ewigkeit. Auch das politische Handeln, das der Geschäftsführung und dem Tage gehört, kann gar nicht anders als durch Besinnung sich leiten lassen. In Frankreich und in England haben diejenigen, die in besonderer Weise als politische Führer tätig waren, die ihre Völker an fremden Höfen repräsentierten, solches Bedürfnis nach Besinnung empfunden; man denke an Hobbes, Locke, Hume, Lord B o 1 i n g - broke, Descartes. Bei ihnen ist •ine Synthese scheinbar auseinanderliegender Tätigkeiten zu beobachten. Auch Gerhard von M u t i u s gehört in eine solche Reihe. Sein letztes Werk „Wort, Wert, Gemeinschaft, Sprachkritische und soziologische Überlegungen", Richard H önigswald gewidmet, faßt eine Reihe von früheren Veröffentlichungen zusammen, gibt ihnen richtiger gesagt, einen vorläufigen Abschluß. Alles philosophische Bemühen besteht, wie man es mit Goethes Wort ausdrücken kann, darin, „was in schwankender Erscheinung schwebt, mit dauernden Gedankeu zu befestigen". Der Idealismus nun seit Plato hat als Methode zu diesem Ziel immer wieder Grenzsetzungen, innerhalb der Gegebenheiten des Bewußtseins gewählt. Auf diese Weise wurde die Aktivität unseres seelischen Seins nicht weniger als der ungeheure Formenreichtum dieser Aktivität selbst, gewonnen. Das war immer das Kennzeichen des Idealismus. Idealismus bestand aber immer zum zweiten darin, das Sein der Gegenständlichkeit anzuerkennen. Der Idealismus hat immer wieder um das Problem der Realität gerungen. Zweierlei steckt eigentlich in diesem Ringen um die Realität: einmal die Realität der Erkenntnis, zum anderen die Realität des Gegenstandes an und für sich. Wie das gemeint ist, wird vielleicht am deutlichsten an der Beziehung des Idealismus zur Lebensphilosophie, deren Ausgangspunkt vermeintlich jenseits der idealistischen Position, nämlich jenseits der Scheidung von Subjekt und Objekt in ihrer unmittelbar gegebenen tiefen Einheit bestehe. Freilich kann der Idealismus diese Einheit nicht als etwas schlechthin Gegebenes bezeichnen. Sie ist ihm vielmehr aufgegeben. Aber selbst die schärfste Kritik der Lebensphilosophie, wie sie uns neuerdings R i c k e r t „Philosopie des Lebens" (Tübingen 1920) gegeben hat, erkennt doch eben die Aufgabe, die im Lebendigen liegt, an. Gerade diese. Aufgabe verkennt aller Positivismus. Er hat die einzelnen Dinge, aber er hat keine Gemeinschaft mit ihnen; er kommt nicht zu einer Seinsverbündenheit mit ihnen. M u t i u s demonstriert uns die Seinsverbundenheit an den metaphysischen Tendenzen der Sprache. In seinem sprachkritischen Versuch richtet sich sein Bemühen darauf, „sich dem Automatismus des gewöhnlichen Sprach- und Denkgebrauches zu entziehen, einen gewissen Abstand dazu zu gewinnen und den in der Essenz der Sprache selber liegenden 200

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