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Der Morgen · 1930-08-01 · Heft 3 (August 1930) · p. 308

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Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 3 (August 1930)
Article
[Rezension]
Date
1930-08-01
Page
308 (sequence 3)
Language
German
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Anzeigen näher, und sein Schicksal ergreift uns weit stärker, als es die Biographie im Stil landläufiger Verherrlichung und Heldeaverehrung vermag. Alfred Storch. Pia ton und der George-Kreis. Von Franz Josef Brecht, 1929, Dieterichsche Verlagsbuchhandlung in Leipzig, geheftet 4 Mk., gebunden 5.5oMk. 84 Seiten. (Das Erbe der Alten, Schriften über Wesen und Wirkung der Antike, zweite Reihe, gesammelt und herausgegeben von Otto Immisch.) Brecht stellt in seiner Schrift die neue Platonsicht dar, die von dem im Jahre 1914 erschienenen Buche Heinrich Friedemanns: Piaton, seine Gestalt, gesetzt worden ist, nachdem Kurt Hildebrandts Uebertragung des Gastmahls (1. Aufl. Leipzig 1912) den Weg dazu gewiesen hat. Brecht zeigt den Grund auf, in dem diese neue Gestaltung wurzelt, das von dem Dichter Stefan George geschaffene Weltbild. Brecht nimmt das Buch Friedemanns wie die Werke Gundolfs und andere Werke der Wissenschaft aus dem Kreise der Blätter für die Kunst als Zeichen einer Geschichtsbetrachtung, die sich mit Entschiedenheit gegen den historischen Positivismus wende und das Vergangene zum Maß der Gegenwart, die Relativität eines Geschichtlichen zur Absolutheit eines Uebergeschichtlichen erhebe. Soweit der Verfasser an diesem angeblichen „Wissenschaftsideal", mehr noch, soweit er an dem Platonbilde Friedemanns und dem der Nachfolger Kritik übt, hinterläßt seine Schrift einen zwiespältigen Eindruck. Es ist hier nicht der Ort zu einer Auseinandersetzung über Einzelheiten. Der Verfasser irrt, wenn er der Wissenschaft der Neuen, wie er sie nennt, den Anspruch unterstellt, sie glaube sich zur Lebensführung und -gestaltung berufen (S.22). Das kann Wissenschaft nie. Er irrt aber auch, wenn er die Friedemannsche Darstellung als endgültige Lösung angreift. Sie ist ein neuer Versuch zur Anschauung der Welt als Ganzes, Unteilbares und Ungeteiltes. Verwirklichung dieser hohen Forderung war sie vielleicht für Friedemann, dem zu Beginn des Krieges gefallenen jugendlichen Verfasser, soweit von Verwirklichung überhaupt gesprochen werden kann. Wie Brecht selbst zeigt, befruchtet die neue Anschauung fort und fort die in gleicher Richtung strebenden Geister. Angesichts der eindringlichen und achtungvollen Darstellung Brechts befremden am Ende seine Fragezeichen sowie die Gegenüberstellung von P. L. Landsberg, „Wesen und Bedeutung der platonischen Akademie" (Bonn 1923), einer Schrift, die dem Geist des George-Kreises fern steht. Wie kann Brecht entgehen, daß bei der glühenden Bemühung um die große Einung des platonischen Weltbildes die Lösungsversuche des Augenblicks nicht gegen den Weg sprechen, auf dem das Ziel gesucht wird? Immerhin ist auch Brechts Schrift ein Zeichen für die Wirkung des neuen Geistes, dem auf dem wissenschaftlichen Fachgebiete zünftischer Dünkel und „Vorgriffsgebundenheit" sich noch heftig entgegenstellen. Eduard Lachmann. Max Brod: Zauberreich der Liebe. Berlin: Zsolnay 1928. Dieses Buch ist nicht langweilig wie die meisten heutigen Romane, die mit aller Erzählungskunst nicht verdecken können, daß sie Wirklichkeit weder zu sehen noch zu gestalten vermögen, sondern es ist in einem höheren Sinne interessant. Aber die starken Reize, welche die erzählten Vorgänge ausstrahlen, reichen nicht aus, ein positives Urteil über das Werk zu begründen. Die Lebenssubstanz des Romans zerlegt sich dreifach. Man weiß zunächst, daß die in ihrer Bedeutung über ihn hinausweisende Hauptfigur — Richard Garta — der entschlafene Franz Kafka ist. Wie schade, daß man es weiß I Ob der Leser es will oder nicht, das Buch hat Quellenwert für das Leben eines der tiefsten Menschen, die in unserer Lebensspanne gelebt haben. Es hat ferner einen bestimmten Wahrheitswert, indem es die Lebensformen, die in dem jüdischzionistischen Palästina in der Bildung begriffen sind, diskutierend darstellt. Bleibt schließlich die Romanhandlung selber, eine Liebes- und eine metaphysische Prozeßgeschichte . Die Technik des Buches stammt von Kafka. Sie besteht darin, daß von Stadium zu Stadium die Vorgänge unter einem neuen, im Augenblick des Geschehens gänzlich unberechenbaren Gesichtspunkt erscheinen, gleichsam als würden wir von unsichtbaren Mächten zum Narren gehalten. Dieses Verfahren, bei Kafka aus erster Hand kommend und einer beispiellos originalen metaphysischen Weltansicht völlig entsprechend, entwertet sich 30$

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