Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 6 (1930-1931)
- Issue
- Heft 3 (August 1930)
- Article
- Religiöser Sozialismus und die Poale-Zion
- Date
- 1930-08-01
- Page
- 303 (sequence 1)
- Language
- German
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Religiöser Sozialismus und die Poale-Zion Eine Richtigstellung und eine Ergänzung Von Fritz Fraenkel In seinem Aufsatz „Proletarische Religiosität" (Nr. 5, V. Jahrgang des „Morgen") meint Heinz Kappes, die zionistisch - sozialistische Partei Poale Zion stände in Fühlung mit dem „Bund der religiösen Sozialisten" und mit dem „Bund katholischer Sozialisten". Er spricht an anderer Stelle von den Bestrebungen der religiösen Sozia, listen, die Kirchen zu erobern und sie aus der Kraft der ursprünglichen Religion so zu erneuern, daß die Auswirkung dieser Religion Sozialismus ist, und er meint, daß sich wohl aus dieser Erwägung heraus auch gelegentlich die Poale-Zion an den Wahlen zum Synagogenrat beteiligt habe. Diese Auffassung ist nicht richtig. Es braucht nicht betont zu werden, welch gewaltige Bedeutung die sittlichen Kräfte der Religion für den Sozialismus besitzen. Nur wer den tiefen, in die Zukunft weisenden Gedanken des Marxismus lediglich nach den Erscheinungen des politischen Lebens beurteilt, kann behaupten, der Marxismus schlösse religiöse Impulse, aus echtem menschlichen Idealismus geboren, aus. Worum es geht, ist die Befreiung der Religion aus den Händen der Kirche, Entkirchlichung der religiösen Kräfte! Es bestehen überall Gruppen und Parteien, die die Religion als Mittel benutzen, Proletarier dem sozialistischen Kampfe zu entziehen. Hier steht ein Feind des Sozialismus. Für die sozialistische Bewegung ist die Religion keine Parteisache, sondern Privatsache, das ist der Sinn des bekannten Sprüchleins. Dies gilt genau so für die Poale-Zion im jüdischen Lager. In allen Fällen, wo die Gefahr besteht, durch die Duldung religiösen Einflusses die Träger bestimmter, dem Proletariat feindlicher, historischer Kräfte zu unterstützen, ist die Haltung der sozialistischen Bewegung zur Religion als gesellschaftlich-feindlichem Machtfaktor gegeben, und ist unbedingt x) Wir geben Fritz Fraenkel auf seinen Wunsch das Wort zu dem Thema „R & 1 i g i ö s e Zeitfragen". Obgleich der Morgen von anderen Voraussetzungen über den Sinn der jüdischen Gemeinde ausgeht, seien dies© Ausführungen, weil zu der Aussprache über Religiöse Zeitfragen gehörig, wiedergegeben. D.S. 303