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Der Morgen · 1930-08-01 · Heft 3 (August 1930) · p. 280

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Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 3 (August 1930)
Article
Zur Problematik des Rassebegriffes
Date
1930-08-01
Page
280 (sequence 2)
Language
German
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Richard Müller-Freienfels was im höchsten Grade unwissenschaftlich und unlogisch ist, angesichts der Tatsache, daß ganze Völker oft nachweisbar ihre Sprache gewechselt haben. Prüfen wir zunächst die biologische Verwendung des Begriffes „Rasse", so ergeben sich folgende recht verschiedene Möglichkeiten: Rein individuell spricht man von „rassigen" Menschen oft nur, um eine starke Vitalität zu bezeichnen. Allerdings schwebt einem dabei zumeist die Annahme vor, es sei diese erhöhte Vitalität auf besonders glückliche Zuchtwahl zurückzuführen, ohne daß da im einzelnen Fall jedoch nachgeprüft wird. — Die zweite Verwendung ist jene, die die Erbzusammenhänge in den Vordergrund stellt und von reiner Rasse dort spricht, wo eine wirkliche oder vermeintliche Inzucht irgendwie angenommen wird. Hier ist die Rasse nicht etwas Absolutes, sondern etwas Relatives, Gewordenes. In diesem Sinne verwendet z.B. Chamberlain den Begriff, indem er zugibt, daß sich „Rassen" durch längere Inzucht bilden können. — Eine dritte Verwendung ist die, wonach die Rasse etwas Absolutes sei, insofern es gewisse „Ur-rassen" gäbe, völlig heterogener Art, deren Vermischung unheilbaren Niedergang der Menschheit mit sich bringe. Das ist der Rassebegriff Gobineaus. Die meisten anderen Rassetheoretiker vermengen diese drei Fassungen der Rassebegriffe. Nun kann man ohne weiteres zugeben, daß biologische Bedingungen, wie die Selektion der Geschlechtspartner, ein wichtiger Faktor für das Zustandekommen von Erschein im gstypen ist; aber es ist ganz falsch, zu glauben, daß diese biologischen Faktoren irgendwie berechenbar oder daß sie gar die einzigen Faktoren der kulturellen Entwicklung der Menschheit seien. Da die absolutistische Verwendung des Rassebegriffs heute kaum mehr Anhänger hat und seine individuelle Verwendung für unsere Probleme nicht in Betracht kommt, so haben wir uns vor allem mit dem relativistischen Rassebegriff, d. h. der Behauptung auseinander zu setzen, daß die Inzucht zwischen Angehörigen eines gleichen Typus mit Sicherheit auch eine Nachkommenschiaft des gleichen Typus garantiere, und daß eine solche Typusinzucht besondere Werte mit sich bringe. Denn diese Annahme ist es, die heute den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Tendenzen, von denen wir eingangs sprachen, zugrunde gelegt wird. Biologisch gesprochen verwechselt diese Rassetheorie den Phänotypus mit dem Genotypus. Das heißt, sie untersucht nicht und kann auch gar nicht ermitteln, was von dem in der Erfahrung gegebenen Typus durch Umwelt- 2S0

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