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Der Morgen · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. 83

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Das Geheimnis der Bundeslade
Date
1930-04-01
Page
83 (sequence 5)
Language
German
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Das Geheimnis der Bundeslade Regen und damit auch die Gewitterwolke, die nach den Erzählungen aus der Väterzeit Israels die Erscheinungsform des heimatlichen Gottes El Schaddai war. Da muß Mose, einer der Ihren, nach Arabien (Midjan) fluchten und er kommt „hinter die Wüste", wo er über einem der nordarabischen Vulkane, dem biblischen Sinai, eine donnernde und brodelnde Wolke findet, hochragend zum Himmel, die unter dem Widerschein der glühenden Lava des Nachts feurig leuchtet, und die von dem Stamme seines Schwiegervaters als Erscheinungsform eines Gottes verehrt wird, den diese Jhwh nennen. Muß er nicht glauben, daß dies derselbe Donnergott in der Wolke sei, von dem die Väter erzählen, und der nun aus Palästina seinem Volke entgegengezogen ist, um es zu rufen, verheißend und drohend zugleich, und dessen bis in den Himmel ragende Wolken- und Feuersäule auf viele, viele Meilen hin dem Wanderer in der Wüste ein sicheres Führungszeichen ist? Dies ist der Ausgangspunkt für den Befreiungszug Israels, da Gott selbst gekommen war, „um sein Volk mitten aus einem anderen zu holen". Mose schafft den Namen El Schaddai — der noch in der vormosaischen Generation mehrmals vertreten ist — endgültig zugunsten des neuen Namens „Jhwh" ab, und führt Israel zum Sinai. Aber die Wolkensäule, die bis dahin Führer gewesen ist, will nicht weiterziehen, und darum schafft nach der biblischen Erzählung Mose hier die Bundeslade, d. i. die Kapporet-Merkaba, die als Führungssymbol der Gotteswolke die Gottheit veranlassen soll, mit Israel mitzuziehen. Aber auf dem weiteren Wege achtet man auch auf die Glutwolken, die über anderen Vulkanen erscheinen und vom Winde weitergetrieben werden. Mit und unter ihnen, den Wolkensukkol, unter denen „ich sie habe weilen lassen" in der Wüste, die zugleich aber auch Schatten vor der Sonnenglut boten, zieht Israel, und erkennt in den Glutwolken auf seinem Wege die Führungszeichen seines Gottes. Es ist kein Zufall, daß Israels seltsamer Umweg durch die Wüste Edoms, Moabs und den Basan just entlang der Krater des Ostjordanlands führt Das ganze Land muß damals eine Zeit lebhafter vulkanischer Tätigkeit durchgemacht haben, und Israel deutete sie als das Geheiß Gottes, auf das hin es sein Lager aufschlug oder abbrach. Und auch die Bundeslade war nicht selbst der Führer, sondern sein Symbol, bei dessen Aufbruch man Gott selbst zum Zuge und Kampf aufforderte: „Erhebe Dich, Jhwh, daß sich zerstreuen Deine Feinde 1" So vereinigen sich die Ideen von Thron und Fahrzeug, Verhüllung, 83 6*

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