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Der Morgen · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Mahatma Gandhi
Date
1930-04-01
Page
69 (sequence 2)
Language
German
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Birger Forell: Mahatma Gandhi liehe Erklärung, daß der Verfasser nichts anderes sein will als ein Sucher nach Wahrheit. Er schreibt hierüber im Vorwort: „Es gibt unzählige Definitionen für das Wesen Gottes, weil er sich auf unzählige Arten und Weisen offenbart. Was mich betrifft, so bete ich Gott an nur als die Wahrheit. Ich habe ihn noch nicht gefunden, aber ich suche ihn stets und ständig. Ich bin bereit, alles, was mir teuer ist, dem Jagen nach diesem Ziel zu opfern. Und wenn das erforderliche Opfer mein eigenes Leben sein sollte, so hoffe ich bereit zu sein, es hinzugeben." Der diese Worte niederschrieb, hat ihre Echtheit durch die Tat bewiesen. Mohandas Karamchand Gandhi wurde am 2. Oktober 1869 in Porbandar, einer kleinen Stadt im nördlichen Indien, geboren. Sein Vater war „Dewan" oder Staatsminister in einem selbständigen kleinen indischen Staate. Von seiner Mutter, einer wahrhaft frommen Hindufrau, spricht der Sohn stets mit tiefer Ehrfurcht und inniger Liebe. Nach der gewöhnlichen Schulausbildung in Indien machte er in England sein Staatsexamen als Jurist und kehrte nach dreijährigem Aufenthalt von dort in die Heimat zurück, um in Bombay als Advokat zu praktizieren. Bei seiner Ankunft in Indien erhielt er die Nach;- richt von dem Tode seiner Mutter. Ihr Bild hatte ihm lebendig vor Augen gestanden bei den Versuchungen und Prüfungen im Abendlande, von denen er in seiner Selbstbiographie mit einer weitgehenden Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst berichtet. Nun war sie nicht mehr, und mit ihr hatte er den Wegweiser bei seinem Suchen nach Wahrheit verloren. Seine Gattin, mit der er nach dem Brauche seines Landes bereits im Alter von i3 Jahren verbunden worden war, konnte ihm noch nicht die Gehilfin und Mitarbeiterin sein, die sie ihm spater wurde. Sein Aufenthalt in Bombay war nur von kurzer Dauer, währte aber dennoch lange genug, um den jungen Rechtsgelehrten erkennen zu lassen, wie schwer es für ihn war, sein juristisches Wissen in der Praxis anzuwenden. Er versuchte sein Glück in Rajkot, nördlich von Bombay, und dort ging es etwas besser. Nicht ohne einen gewissen stillen Humor erzählt er, wie er, während seiner Studienzeit in England, und auch noch im Anfang seiner Tätigkeit als Advokat, an Zungenlähmung gelitten habe, einem — gerade für einen Advokaten — recht hinderlichen Gebrechen. Er behauptet, er habe diese Scheu vor dem Redenhalten niemals völlig überwunden; sie habe ihn indessen an dem 69

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