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Der Morgen · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Der Apostel der Marannen
Date
1930-04-01
Page
63 (sequence 3)
Language
German
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Der Apostel der Marannen Glauben annahm. Kurze Zeit danach heiratete er ein Mädchen aus einer der angesehensten Familien Lissabons und gründete mit ihr in Oporto, wo er als Infanteriehauptmann stationiert war, ein echt jüdisches Haus. Bereits vor dem Kriege lernte er hebräisch und besuchte regelmäßig den Gottesdienst. Aber er fand -wenig Gleichgesinnte unter seinen Glaubensgenossen, die bis zum Jahre 1911 in Portugal nur geduldet waren und offiziell als „jüdische Kolonie" bezeichnet wurden. Nach der zwangsweisen Bekehrung der Juden in Portugal im Jahre i497 wurde ihre Hauptsynagoge in Oporto, deren ursprüngliches Mauerwerk noch teilweise erhalten ist, den Benediktinern übergeben und in eine Kirche umgewandelt. In der nahegelegenen Judicaria errichtete man ein Kloster, das später vom Staat konfisziert und zu einem Militärgefängnis umgebaut wurde. An diese Anstalt ist Hauptmann de Barros Basto als Direktor berufen worden. Ein merkwürdiges Beispiel für die Ironie des Zufalls! In Oporto, der zweitgrößten Stadt Portugals, bestand keine offizielle jüdische Gemeinde, und die wenigen Eingewanderten, die aus dem nördlichen und östlichen Europa gekommen waren, hatten es bisher an der Energie fehlen lassen sich zusammenzuschließen. De Barros Basto organisierte mit der ihm eignen Tatkraft eine Gemeinde, die den bezeichnenden Namen „Mekor Chajim" (Quell des Lebens) erhielt; und alsbald wurde eine provisorische Synagoge eingerichtet. Er wollte seine Mitmarannen zur vollen Betätigung des Judentums ihrer Voreltern zurückführen, das er selbst ausübte. Dazu fand er begeisterte Mitarbeiter, aber ihre Zahl war nicht sehr groß, denn die meisten Marannen wohnten in Ortschaften und Dörfern der Provinzen Beira, Traz os Montes usw. in der Nähe der spanischen Grenze, woher jene in Oporto Eingewanderten auch gekommen waren. — Es erwies sich als notwendig, diese verstreut wohnenden Marannen persönlich aufzusuchen, und das unternahm de Barros Basto während seiner kurzen Urlaubszeiten. Einige der Ortschaften waren so abgelegen, daß deren Einwohner vollständig von der Welt abgeschlossen lebten. Interessante typische Episoden weiß de Barros Basto von seinen Entdeckungsfahrten zu erzählen. So die folgende: Die Postkutsche arbeitet sich mühsam die staubige Landstraße bergan. De Barros wird von den Mitfahrenden nach seinem Reiseziel gefragt, und als er es nennt, warnt man ihn: „Seien Sie vorsichtig, dieser Ort ist voller Juden" (man meint natürlich Marannen). „So", erwidert er, „das ist doch sehr interessant, ich bin selber Jude", worauf die Gesellschaft in entrüstetes Schweigen 63

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