Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 6 (1930-1931)
- Issue
- Heft 1 (April 1930)
- Article
- Parapsychologische Hypothesen
- Date
- 1930-04-01
- Page
- 15 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2895450-2895491-2895493-2900465--04168-2900520- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Parapsychologische Hypothesen achtens z. B. nicht angesichts der organischen Welt1) — (was freilich die „Mechanisten" zu lehren pflegten). Ist es mit dem Wegerklaren, also mit der causa vera, nichts, so bleibt natürlich die neue Tatsache eine Tatsache; und nun gilt es, sie zu formen in so klarer und einfacher Weise wie möglich. Das heißt: es gilt nun das zu formen, was Goethe ein „Urphänomen" genannt hat, und was, wenn das „Wegerklären" durch eine causa vera sich als unmöglich erwiesen hat, natürlich stets einen grundsätzlich dem schon Bekannten gegenüber neuen Grundwesenszug der Welt bedeutet Meist wird ja nicht nur eine ganz neue Tatsache entdeckt sein, sondern deren eine ganze Menge — wie gerade im Falle der Parapsychologie. Dann gilt es, aus der Fülle des verschiedenen Neuen Gemeinsames herauszuschälen und dieses in ganz klare, möglichst einfache „Gesetzes" form zu bringen, derart, daß sich die Modifikationen des neu Entdeckten als klare Besonderungen desselben Grundgesetzes ergeben. Denn „Sparsamkeit" ist eines der Grundprinzipien aller echten Wissenschaft; ja sie ist es auch, die uns befiehlt, so lange mit echten causae verae angesichts eines neuen Gebietes auszukommen, wie es nur irgend geht Aber eben auch, wenn es nicht mehr geht, bleibt das Prinzip der Sparsamkeit der unantastbare Leitfaden der Forschung: Neues an Gesetzlichkeit, gewiß, ohne das geht es ja nicht; aber so wenig und so einfaches Neues, wie nur irgend möglich. In diesem Sinne bemüht sich zum Beispiel der biologische Vitalismus, trotz des Neuen, das er einführen muß, doch, etwa den Satz von der Erhaltung der Energie zu retten, und schon Descartes durchbrach da, wo er die Seele auf den Leib wirken Keß, die Grundprinzipien der damaligen Mechanik „im Minimum". Nach diesen allgemeinen Vorbereitungen gehen wir nun an die Aufzählung und Prüfung der vorliegenden Hypothesen der mentalen Parapsychologie; und zwar wollen wir vom Einfachen zum Komplizierten vorschreiten und uns zunächst mit solchen parapsychischen Lehren befassen, welche die in Rede stehenden Phänomene einfach „wegerklären" wollen. 3. Die eliminierenden Theorien. a) Die Zufallshypothese. Unter den eliminierenden, den „wegerklärenden" Theorien nimmt die Zufallshypothese die erste Stelle ein: Alle Koinzidenzen bei Telepathie, Ge-!) Vergl. meine „Philosophie des Organischen", 4- Aufl. 1928. 15