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Der Morgen · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Parapsychologische Hypothesen
Date
1930-04-01
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Hans Driesch wir, im Anschluß an die in Frankreich übliche Terminologie, einen Metagnomen1), um das aus der spiritistischen Theorie stammende und mit ihr bedenklich belastete Wort „Medium" zu vermeiden. Der Metagnom hat also das Vermögen zu abnormem Wissenserwerb; nicht ist sein Wissen als „Wissen" etwas anderes wie normales Wissen. Normalerweise erwerben wir ein Wissen um Zustande der materiellen Welt oder um das, was andere Menschen wissen, also um fremde Wissensinhalte, durch unsere Sinnesorgane, indem entweder die Dinge der Welt ohne weiteres „gesehen" oder „getastet" oder „gerochen" usw. werden, oder indem uns „Schrift" und „Sprache" von den Wissensinhalten eines anderen Kunde geben. Eben diese normalen Wege des Wissenserwerbs sind in der Parapsychologie verlassen. Parapsychisch erworbenes Wissen kann, wie gesagt, auf Zustande der materiellen Welt oder auf die Wissensinhalte anderer Menschen gehen; das erste ist beim Hellsehen, das zweite bei Telepathie und Gedankenlesen der Fall. Beim Hellsehen, sei es auch ein solches in die Vergangenheit oder in die Zukunft („Prophetie"), kommt also nur ein Bewußtsein, das des Metagnomen, in Frage, bei dem anderen Paraphänomenen zwei Bewußtseine: das des Metagnomen, welcher als Perzipient (= „Empfänger") das Wissen erwirbt, und das derjenigen Person, von welcher her es erworben wird, welche es hergibt. Diese Person heißt Agent (= „Geber")2) Über die bewußte „Aktivität" oder „Passivität" der beiden in Frage kommenden Personen ist mit dieser Terminologie noch gar nichts ausgemacht, nur darüber, daß der Wissensinhalt, um den es sich handelt, von der einen, dem Agenten, ursprünglich herstammt und von der anderen, dem Perzipienten, paranormal erworben wird. Bei echter Telepathie, im strengen und engen Sinne des Wortes, ist der Agent, obwohl er „gibt", in vielen Fällen insofern durchaus inaktiv („spontane" Telepathie), als er gar nicht bewußt „geben" will und auch nicht weiß, daß er gibt In anderen, oft experimental ausgewerteten Fällen ist freilich der Agent ausgesprochen aktiv: er „will" bewußt geben. Im ersten Fall werden wir das Senden der Botschaft dem „Unterbewußtsein" zuschreiben; im zweiten mag dieses auch der eigentliche dynamische Sender sein, ist aber vom Bewußt- *) Entsprechend: „Metagnomie" im Sinne von paranormal erworbenem Wissen. Diese Worte sind nur als praktisch© kurze technische Ausdrücke zu nehmen; wörtlich übersetzt heißt nämlich das griechische Wort Metagnome soviel wie Sinnesänderung! 2) Absichtlich sage ich nicht „Sender", damit nicht von vornherein der Gedanke an den „Rundfunk" aufkomme. 12

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