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Der Morgen · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. 8

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Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Gedanken über das Pessach-Fest
Date
1930-04-01
Page
8 (sequence 6)
Language
German
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Raimund Eberhard Untreue gegen seinen Gott, da doch, das Unglück, das hereingebrochen, das göttliche Strafgericht ist für alle Sünden und Übertretungen des Volkes. Und je schwerer das Unglück, und je dunkler und länger die Nacht der Trübsal, um so heller leuchtet das Licht des Glaubens auf und die frohe Zuversicht, daß Gott, der ewige und allmachtige, sein Volk nicht verlassen noch versäumen wird, und daß er es erretten wird aus der Trübsal, wie er es einst errettet hat aus dem Diensthause der Ägypter. So leuchtet diese aus tiefster Zerknirschung geborene Hoffnung und Zuversicht in ergreifender Weise zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft hervor aus dem Anfang des Deutero-Jesaias: „Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott Redet zum Herzen Jerusalems, und rufet ihm zu, daß seine Leidenszeit erfüllt ist, daß seine Missetat vergeben ist; denn es hat zwiefältige Strafe empfangen aus Gottes Hand für all seine Sünden." Und so verfestigt sich dies Bewußtsein des Auserwähltseins in immer stärkerer Weise im jüdischen Bewußtsein. Gleich wie sich auf dem weiten Meer die Wellen in der Richtung des Windes von leichtem Kräuseln an immer mehr verstärken, so auch hier im geschichtlichen Leben des jüdischen Volkes. Das Bewußtsein des göttlichen Auserwähltseins ist untrennbar verknüpft mit der Erinnerung an die Errettung aus Ägyptenland und an den Bund mit Gott am Sinai, da Er der Einige und Ewige seinem Volk sein heiliges Gesetz gegeben, das Er nicht nur in Stein, sondern in ihre Herzen geschrieben. Und in den Herzen der jüdischen Propheten, eines Jesaia, eines Jeremia, eines Arnos und Micha, und wie sie alle heißen, schwillt dies Bewußtsein zur brausenden Woge an und wird also zum Leben ihres Lebens, und zugleich weisen diese gotterleuchteten Propheten über alle nationalen Schranken hinweg, verkündend den Gott Israels, den Einigen und Ewigen, als den Gott aller Menschen und aller Völker, der Himmel und Erde geschaffen hat, der Geist und Wahrheit ist, dem Recht und Gerechtigkeit, Güte und Treue lieb sind, und der nach des Propheten Micha Wort allen Menschen ins Herz geschrieben hat, was gut ist, und was Er fordert, nämlich „Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln vor Gott". So wird nun im Bewußtsein dieser Propheten} der uralte über Abraham ausgesprochene göttliche Segen erfüllt: „Mit dir werden gesegnet alle Sippen des Erdreichs". Dies Bewußtsein dringt immer tiefer in die jüdische Volksseele hinein, so daß der Psalmist sein „Jubellied von den Siegen des Ewigen in aller Welt" (Psalm 98) anstimmt, worin es heißt: „Kundgetan hat Gott seine Hilfe, vor den Augen der Völker hat er sein; 8

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