Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-02-01
- Page
- 651 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen 1. Unterschätzt Gebhardt nicht den Einfluß der jüdischen Scholastik? 2. Ist die dynamistische Interpretation allein haltbar oder handelt es sich nicht auch hier um eine innere Dialektik zwischen dem Mathematischen und dem Dynamischen? 3- An welcher Stelle in dem Aufriß des Systems ist der Begriff der Geschichte verankert? Ist hier nicht eine kaum überbrückbare Kluft zwischen dem „Theologisch-politischen Traktat", in dem sich das geschichtliche Bewußtsein deutlich vernehmen läßt, und der „Ethik", die von „Geschichte" — wie mir scheint — nichts weiß und wissen kann? Peter Brunner. Hans Driesch: Grundprobleme der Psychologie. Ihre Krise in der Gegenwart. 2. Aufl. Leipzig. Emmanuel Reinicke 1929. Die erste Auflage dieses Werkes ist von mir ausführlich in dieser Zeitschrift II, 526—527 besprochen worden. Da ich damals die besonderen Kennzeichen des Buches hervorgehoben habe, will ich diesmal nur erneut auf seine Bedeutung hinweisen und die wertvollen Ergänzungen und Verbesserungen unterstreichen, die sich besonders bei Erörterung des Problems der Ganzheit finden. Durch den in der Polemik mit anderen Psychologen entstandenen Begriff der Wohlordnung ist die Ganzheitslehre bereichert worden; Driesch meint die Durchdringung der Elemente bei Bildung der realen Erlebnisse und bezeichnet z.B. die Tendenz der Seele, aus sinnlich gegebenen Fragmenten, Ganzheiten zu formen. Wesentlich vertieft ist die Kritik des Spiritismus, wie überhaupt der Abschnitt über Parapsychologie Driesch auf der Höhe zeigt in der meisterhaften Beherrschung und theoretischen Durchdringung der Materie. Die zahlreichen, in englischen und deutschen Zeitschriften der parapsychologischen Forschung erschienenen Abhandlungen des Autors haben hier gute Vorarbeit geleistet. — Noch ein allgemeines Wort: Bei der Lektüre der 2. Auflage ist mir die Bedeutung dieser Psychologie noch viel deutlicher zu Bewußtsein gekommen als bei der 1. Auflage. In dem Werk ist eine Fülle fachwissenschaftlicher Forschung berücksichtigt und gewertet, darüber hinaus aber das philosophische Bedürfnis befriedigt. Oskar Wolfsberg. Siegfried Ucko: „Der Gottesbegriff in der Philosophie Hermann Cohens. Verlag Reuther & Reichard, Berlin 1929. 5i Seiten, brosch. 2 M. Bisher fehlte für die große religionsphilosophische Hinterlassenschaft Hermann Cohens, der, wie kein anderer, ein Denker der Rechenschaftsfrage war, abgesehen von einigen, meist gegnerischen und mehr summarischen Würdigungen und einigen Erinnerungsbüchern, eine zureichende Darstellung. Eine Ausnahme war hier vielleicht Franz Rosenzweigs schöne Einleitung in Cohens „Jüdische Schriften", doch hat diese im Menschen Cohen zu stark ihren Mittelpunkt, als daß sie die Lücke des Mangels einer philosophischen Bearbeitung von Cohens Religionsphilosophie ausfüllen könnte oder wollte. Hierin liegt der Hauptgewinn, den uns die neue Schrift von Ucko: Der Gottesbegriff in der Philosophie Hermann Cohens, Berlin 1929, bringt. Uckos Arbeil, hervorgegangen aus einer Königsberger Dissertation, beschränkt sich auf den Versuch, „die Hauptstruktur und die Entwicklungslinie" von Cohens Gottesbegriff aufzuweisen. Er verzichtet bewußt darauf, die Rechtsfrage an diesen Cohenschen Gottesbegriff zu stellen, gibt aber dennoch einen so geschlossenen und die Probleme herausstellenden Zugang zu dem Gesamtinhalt von Cohens religiösem Denken, daß wir in seiner Arbeit künftig die Grundlage aller weiteren Untersuchungen auf diesem Gebiet werden sehen dürfen. Hervorzuheben ist insbesondere die deutliche Inbeziehungsetzung des Gottes mit dem Wahrheitsbegriffe Cohens, die Herausarbeilung des Charakters der „Unvergleichbarkeit" für diesen „einzigen" Schöpfergott und das Aufwerfen der Frage nach einer. letzten metaphysischen Fundiertheit dieses Gottesbegriffes wie von Cohens „Logik des Seins". Sicher wird eine spätere systematische Behandlung manches, was auch Ucko noch neben- und nacheinanderstellt, stärker zusammenzunehmen haben, gerade von der zentralen Bedeutung der Beziehung von Cohens Gotteszum Wahrheitsbegriffe her; doch ist es Ucko zu danken, daß er (gegenüber Rosenzweig) die Legende von einem etwa in das Jahr 1912 angesetzten Bruche und einer theologischen Wendung Cohens zerstören hilft. 65t