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Der Morgen · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · p. 629

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Article
Ergänzender kurzer Literaturnachweis für die Praxis des Seelsorgers
Date
1930-02-01
Page
629 (sequence 1)
Language
German
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Ergänzender kurzer Literaturnachweis für die Praxis des Seelsorgers Von Paul Lazarus Bei der Versammlung des Südwestdeutschen Rabbinerverbandes 19^7 in Mannheim hielt ich einen Vortrag, bei dem zum ersten Male vor einem Kreise von Rabbinern ausführlich an Hand von praktischen Beispielen über die Ergebnisse der psychoanalytischen Forschung und ihre Verwendung in der praktischen Seelsorge und im Unterricht berichtet wurde. Es wird sich für den Rabbiner nie darum handeln können, eine psychoanalytische Praxis auszuüben, mag sie auch noch so sehr wahrhafte Seelsorge sein; aber man wird heute von dem Rabbiner, und natürlich auch von dem Lehrer, verlangen dürfen, daß er theoretisch und praktisch die Lehren der Psychoanalyse kennt und auch gewisse psychoanalytische Handgriffe in die Seelsorge und unterrichtliche Praxis unter allen Umständen aufnimmt, einmal zur Verhütung seelischer Erkrankungen bei der Jugend, sodann aber auch zur wirklichen Hilfe an Erkrankten und Gefährdeten. Auch bescheidene Kenntnisse auf diesem Gebiete werden für die Praxis des jüdischen Seelsorgers und Lehrers von größtem Werte sein. Man erkennt dann oft die Gefahr, man wird aufmerksam auf Erziehungsfehler, die abgestellt werden können, auf tiefliegende Verwicklungen und Irrtümer, die noch mehr Schaden zu stiften drohen. Oft sieht man dann wenigstens ein, daß und weshalb man mit den alten Methoden vielen Fällen nicht beikommen kann. Aber auch für das Gebiet der Predigt, für die Arbeit in Gefängnissen, Irrenanstalten und Krankenhäusern usw. wird die Kenntnis der psychoanalytischen Literatur von allergrößtem Nutzen sein. Gerade da könnte der Seelsorger dem Arzte helfen, denn die ganze analytische Seelsorge ist ja keineswegs ein ärztliches, sondern zum größten Teile ein nichtärztliches Gebiet Ganz besonders aber scheint die ungeheure sittliche und sexuelle Not in der Gegenwart auch unter uns Juden (Geburtenrückgang, das „Verhältnis", die Not der jüdischen Mädchen, die nicht mehr zur Heirat gelangen, die hohe Ziffer der Selbstmorde und der Ehescheidungen) der analytischen Seelsorge zu bedürfen. Die Lektüre der Werke, die unten genannt werden, zwingt uns — über die scharfe und berechtigte Kritik an den unhaltbaren Zuständen der Gegenwart, die hilflosen Proteste hinaus —uns mit den -praktischen Fragen der leib-seelischen Gesundheit und Krankheit zu befassen, der Naturvorgänge und natürlichen Zusammenhänge, Gebiete, die bisher ausschließlich dem Arzte und Biologen überlassen waren. Statt der allgemeinen Schlagworte, an denen die Geistlichen aller Konfessionen besonders reich sind, 629

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