Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Article
- Franz Rosenzweig und seine Krankheit
- Date
- 1930-02-01
- Page
- 582 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
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Richard Koch: Franz Rosenzweig und seine Krankheit was an diesem Leben sich unserem staunenden Auge offenbarte, an die sonst verschlossene Wirklichkeit vom Menschen gerührt hatte. Diese Auffassung ist in den meisten Teilen eine persönliche Theorie von mir. Wenn ich in ihr ausspreche, daß Rosenzweig sein Buch in einem ---Ausnahmezustande geschrieben hat, darf ich dabei nicht vergessen, daß es sich um eine subjektive Auffassung handelt, die bestritten werden kann. Ist es doch sicher, daß das Buch bereits vor seiner Krankheit entworfen war, und daß es bei der Starke seiner Begabung auf jeden Fall ein Buch großen. Formats geworden wäre. So tue ich ihm mit meiner Theorie in den Augen vieler vielleicht unrecht Ich aber fühle mich trotzdem berechtigt, meine Theorie hinzuschreiben, denn in ihr ist die ganze Geschichte Franz Rosenzweigs, die Zeit vor dem Buch, die Zeit seiner Abfassung und die Zeit seines späteren Lebens durch sein Kranksein miteinander verknüpft Was ich vielleicht besser zu schreiben unterlassen hätte, habe ich mich trotzdem zu schreiben entschlossen, denn auf diese Weise besteht diese Geschichte nur aus zwei Naturerscheinungen, aus einem Menschen und aus einer Krankheit Ich glaube so die Einheit eines Geschehens erkannt zu haben. Was übrig bleiben wird, ist ein Buch. Aber zudem kann auf diese Weise ein Kreis von Menschen die Erinnerung an etwas Einmaliges und Unwiederholbares bewahren, an die Geschichte von Franz Rosenzweig und seine Krankheit, und damit verdanken die Freunde das endgültige Buch unmittelbar dem Leben. 582