Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Article
- Franz Rosenzweig
- Date
- 1930-02-01
- Page
- 541 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Franz Rosenzweig Von Margarete Susman Daß jeder Augenblick der letzte sein kann, macht ihn ewig. (Der Stern der Erlösung.) Wie das Leben Franz Rosenzweigs vor uns steht: ganz in unserer Zeit und ganz in der Ewigkeit, ist es das Leben eines großen jüdischen Menschen, der zugleich ein großer deutscher Mensch war. Aber es ist noch mehr; in den ersten drei Vierteln seines Lebens, so lange es emporsteigt in immer helleres Licht, erkennen wir es deutlich in dieser Gestalt; aber im letzten Viertel, während es hinabsteigt in immer tieferes Dunkel, geht von ihm selbst ein immer durchdringenderes Licht aus: wir erkennen es als ein aus sich selber leuchtendes: als einen Stern, der allmählich und mächtig in einer sternenlosen Nacht aufgeht Aber das Leben dieses einsamen Sternes wäre doch niemals das, was es ist, wenn es nicht der Nacht unserer Zeit entstrahlte, wenn es nicht in der Gegenwart unseres heutigen Lebens sichtbar geworden wäre und sich ihr zuwendete. Stände es ganz in sich gekehrt im Nirgendwo — es wäre wohl eine strahlende Erscheinung; es vermöchte wohl zu leuchten; aber es gäbe uns nicht dieses gerade uns zugewandte Licht, diese Wahrheit, die die Dunkelheit unserer Weltstunde erhellt Es wäre nicht das Leben eines Menschen, der für uns dachte, der unsere Probleme stellte und beantwortete, der auf uns hörte und der zu uns sprach, der für uns einsprang und uns vertrat, auf dem unsere Schicksale und Schmerzen lagen — „auf daß wir Frieden hätten". Denn alles dies ist von dem Leben Franz Rosenzweigs zu sagen. Es war in all seiner Vollendung nicht nur ein durch sein Leuchten uns fernes — es war auch ein durch seine Wärme uns nahes Leben bis zuletzt Es war ein 541