Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 516 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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II. I>ie Beziehungen zwischen Juden und Arabern Berichi der englischen Untersuchungskommission von damalsl) nachzulesen. Man hätte gewünscht, die ernsten Ratschläge der Kommission an Araber und Juden wären besser befolgt worden. Aber neben anderem erkennt der Leser deutlich, wie beeinflußbar die arabische Menge ist, und daß sie, ist sie erst einmal aufgestachelt, in ihrer Raserei so wenig Grenzen kennt, wie wir es jetzt in Hebron und Safed schaudernd erlebten. Der Bericht sagt zu Gerüchten und ihrer Wirkung: Sodann wurden die Vorfälle bei den Exzessen in Jaffa maßlos übertrieben. Zwei Araber, loll vor Aufregung, entblößten ihre Brüste und schrien dem Bezirksamtmann von Djenin: »Wir haben Frauen und Kinder gesehen, die von den Juden ermordet waren«. Sie sind jetzt in Haft. Es gab Gerüchte von ermordeten Arabern in Kalkilieh, von eingesperrten und auch ermordeten in Chederah, von Waffen, die den Juden von der Regierung und auch von anderen gegeben wurden. Angst und Schrecken verbreiteten sieb wie ein Lauffeuer. Die Befürchtungen, die diese Gerüchte erzeugten und verstärkten, waren nicht erheuchelt. Frauen flohen mit ihren Kindern tatsächlich von Dörfern, die man für 'bedroht hielt. Bei aller Intelli-j genz ist das Volk leichtgläubig in einem unglaublichen Grade, wenn nur die umgehenden Gerüchte danach sind, eine bestehende Empfindung aufzupeitschen." (Jüdische -Rundschau, Nr. 95, 29. November 1921, S. 680.) Der Bericht schildert auch die Propaganda, die von arabischer Seite in Palästina damals getrieben wurde. Anschaulich werden die Verhältnisse im Dorfe Tul Karm, nordöstlich von Jaffa, dargelegt. Es heißt: „Der Bürgermeister von Tulkeram spricht von der Balfourdeklaration, und ob er nun eine deutlichere Vorstellung von ihrer Bedeutung hat als andere Leute oder nicht, jedenfalls drückt er seine Meinung darüber sehr entschieden aus. In einem kleinen mohammedanischen Zentrum dieser Art haben die Leute mehr Sinn für Politik als in einer kleinen englischen Landstadt, und politische Diskussionen sind ihre hauptsächliche, wenn nicht einzige Beschäftigung. Ein junger arabischer Notabel, Mitglied des dortigen nationalen Klubs, erzählte uns, daß er und seine Freunde in Büchern und Zeitungen vom Zionismus lesen, daß ausgewählte Auszüge übersetzt und denjenigen, die nicht englisch lesen oder verstehen, vorgelesen werden. Er verwies uns auf Bücher, worin sie, wie er behauptete, Erklärungen fanden, die ihnen aufregend und herausfordernd erschienen." (Jüdische Rundschau, ib., S. 680.) Es wäre unrichtig, diesen Einzelfall für ganz Palästina verallgemeinern zu wollen. Auch das, was über den politischen Sinn des Landbewohners gesagt wird, liat keine allgemeine Gültigkeit Treffend wird aber auch von jüdischer Seite die arabische Agitation beschrieben, so in einem Aufsatz des „Dawar" vom 8. Oktober 1929 „Über den Kopf der falschen Führer hinweg!": „Nicht ohne Geschick, auch nicht ohne Methode haben der Mufti und seine Freunde unsere Nachlässigkeit und unsere Unfähigkeit, eine richtige Politik mit unseren arabischen Nachbarn zu führen ausgenutzt. Während der Jahre, da unsere »Politiker« unter sich über die Wege x) Deutsche Übersetzung des vergriffenen, dem englischen Parlament vorgelegten Weißbuchs: „Disturbances in May 1921, Report of the Inquiry Commissiou", London 1921, in „Jüdische Rundschau", Nr. 90, 29. November 1921, und folgende Nummern. 515