Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 513 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina Im Sommer 1915 verhandelte der englische Oberkommissar in Ägypten Sir MacMahon mit dem Scherifen von Mekka Hussein über einen Anschluß an England, gerichtet gegen die Türkei, der Hussein bisher unterstand. Der Briefwechsel zwischen beiden ist nur teilweise bekannt Wir besitzen aber die Kenntnis der Bedingungen, unter denen Hussein sich England anschloß.1) Danach verpflichtet sich England „zur Bildung eines arabischen Reiches, das unabhängig sein soll in jeglichem Sinn des Wortes, Unabhängigkeit in seinen inneren und äußeren Verhältnissen. Die Grenzen dieses Reiches sollen sein im Osten vom Meer des Persischen Golfes an, im Westen das Rote Meer, die ägyptische Grenze und das Mittelmeer, im Norden die Nordgrenze des Wilajets von Aleppo und von Mossul bis zum Euphrat, worauf die Grenze längs des Tigris bis zu seiner Einmündung in das Persische Meer geht, mit Ausschluß der Kolonie Aden, denn diese bleibt außerhalb dieser Grenzen". Die Engländer wollten aber später dieses Abkommen nicht so aufgefaßt wissen, wie der Scherif von Mekka es tat Die Unabhängigkeit der Araber der Halbinsel haben sie zwar anerkannt, aber sie bestreiten, damit die Einsetzung arabischer Selbstverwaltung für Syrien, Palästina und Mesopotamien zugesagt zu haben. Von national-arabischer Seite wurde besonders auf einen Brief MacMahons (vom 2 5. Oktober 1915) hingewiesen, in dem es hieß, daß das Gebiet „westlich von Damaskus" nicht in das Abkommen einbezogen sei. Demnach sei Palästina, so folgerte man, nicht vom Recht auf Selbstverwaltung auszuschließen, da es sich (im Gegensatz zur englischen Behauptung) in der Vereinbarung nicht um das Wila jet von Damaskus, zu dem Palästina unter türkischem Regime gehörte, handelte, sondern um das Gebiet westlich von Damaskus, also etwa den Libanonbezirk, dem Palästina nicht zugehöre.-) Die englische Regierung erkannte aber diese überzeugende Interpretation nicht an. Wie aufrichtig sie handelte, geht daraus hervor, daß sie am 19. Februar 1916 mit Frankreich und Rußland einen Vertrag schloß, der England die für Palästina", Stuttgart 1929, mit reichen Literaturangaben. Hierfür S. 19 ff. — Interessantes Material in „Congres Svrio-Palestinien, Appel adresse ä la 2me assemblee generale de la societe des nations". Geneve 1921. — Den. arabischen Standpunkt umreißt scharf die soeben vom Jaffaer „Falastin" herausgegebene Broschüre: „The Balfour Declaration". An analysis. Jaffa 1929. 34 -f-2 Seiten. 1) „Die Welt des Islams", hrg. von G. Kampf fmejer, Bd. VIII, S. io4- 2) Churchill-Weißbuch: „Correspondence with ihc Palestine Arab Delegation and tlie Zionist Organisation", Cmd. I700t London 1922, S. 26. 512