Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Die Heilige Johanna und Israel
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 471 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2895450-2895483-2895489-2900156--03928-2900233- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Heilige Johanna und Israell) Von Edmond Fleg ins Deutsche übertragen von Margarete Goldstein Die Bildwerke, die ich von Jeanne d'Arc kenne, stoßen mich fast aile ab; als Hirtin oder Kriegerin, in der Extase göttlicher Stimmen, oder in der Todesnot des Scheiterhaufens: jede dieser Darstellungen erscheint mir gekünstelt Und ebenso verletzen die Anhäufung von Kronen und Blumen, mit denen man sie ehren will, die Umzüge mit Fanfaren, die historischen Maskeraden häufig irgend etwas in meinem tiefsten Innern, wenn ich an die gute Ix>mringerin denke, die mir in ihrer Frömmigkeit so vertraut ist Ein solcher Aufwand ist zweifellos nötig, um Massengefühle zu erwecken, und der Pomp solcher Kundgebungen vermindert nicht ihre Echtheit Aber sie erinnern mich allzusehr an den Wortschwall, mit dem die Etappe den Mann des Schützengrabens verherrlichte, wodurch sie unfreiwillig das verhüllte, was sie zu zeigen vorgab. Werde ich hier die Fehler, die ich tadle, vermeiden können? Werde ich in aller Einfalt wahr sein können? Wenn ich mich frage, was mir die Heilige Johanna bedeutet, kommen mir zuerst Bedenken. Ich bin erst seit 1914 französischer Bürger; die Juden Frankreichs, die viel länger schon Franzosen sind als ich, tragen den Namen „Franzosen" erst seit einem Jahrhundert. Soll ich den Ruhm einer Vergangenheit erhöhen, an der meine Brüder gar nicht teil hatten? Zurzeit da die Hirtin von Domremy nach Chinon kam, um vor ihrem Könige niederzuknien, hätte sie auf ihrem Wege keinem Juden begegnen x) Aus „La Revue Hebdomadaire", 6 juülel 1929, No. 27, 38e Annee. 471