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Der Morgen · 1929-12-01 · Heft 5 (Dezember 1929) · p. 449

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 5 (Dezember 1929)
Article
Bäuerliche Frömmigkeit
Date
1929-12-01
Page
449 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Bäuerliche Frömmigkeit Von Gustav Mahr I. Was wissen wir in der Stadt von bäuerlicher Frömmigkeit? Selbst, wer in einer sozialgemischten Landgemeinde wohnt, wird bäuerliche Frömmigkeit nur in einzelnen, lang eingesessenen Bauernfamilien unmittelbar lebendig spüren. Diese Familien muß man aufsuchen und beobachten, um etwas von dem Geiste bäuerlicher Frömmigkeit zu finden. Das Dorf wandelt sich; es wandelt sich zusehends. Aus alten Bauerngemeinden werden, wo Industrie zuwandert, sozialgemischte Gemeinden und aus sozialgemischten Gemeinden im Laufe von zwei und drei Generationen oft genug ländliche Industriegemeinden. Bäuerliche Frömmigkeit als eine Macht des Lebens wird offenbar nur in reinen Bauerngemeinden. Wir sehen in unserer Untersuchung über bäuerliche Frömmigkeit von dem Großgrundbesitzer, dem ländlichen Taglöhner ab, obwohl diese Schichten zum .bäuerlichen Lebenskreis gehören und ihr Denken und Leben Verwandtschaft mit dem bäuerlichen Leben aufweist. Für uns kommt wesentlich der mittlere Bauer in Betracht; er vertritt am reinsten Wesen und Art bäuerlicher Frömmigkeit Wir sprechen vom protestantischen Bauern. Was von ihm gilt, gilt in vielem auch vom katholischen Bauern. Noch eine weitere Einschränkung muß gemacht werden. Das Bauerntum ist nach Landschaft, Geschichte und besonderen Lebensbedingungen durchaus verschieden. Das Bauerntum selbst wandelt sich mit dem Dorf. Der bäuerliche Mensch ist heute anders als der vor dem Weltkriege, erst recht anders als der vor dem Kriege 1870/71. Jedes Jahrhundert prägt sich seine besondere Geistigkeit, seine besondere religiöse Art, und das auch im Bauerntum. Wir werden gut tun, uns auf wesentliche Grundhaltungen 31 449

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