Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1929)
- Article
- Rembrandt und Spinoza
- Date
- 1929-10-01
- Page
- 393 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Rembrandt und Spinoza Von Julius Bah Der Mann, dessen ehrendem Gedenken diese Blätter dienen sollen, war von keinem Problem tiefer bewegt als von dem der Beziehung des Judentums zur abendländischen, insbesondere zur deutschen Kultur. Es sei deshalb gestattet, hier von einer historischen Konstellation zu reden, die für mein Gefühl stärker als jede andere in die Tiefe dieses Problems einführt. Es ist keine Geschichte von heute und gestern, die da zu erzählen ist; aber sie handelt von einem Künstler, den die Deutschen oftmals als ihren genialsten, als ihren repräsentativsten Menschen angesprochen haben, und von einem jüdischen Geist, der sich von allen Juden der nachbiblischen Epoche wohl als der mächtigste, der am tiefsten wirksame erwiesen hat. Es handelt sich um Rembrandt und um Spinoza. Im Jahre i58i wird durch den Herzog von Alba Portugal erobert; und die Mar armen, die jüdischen Zwangs- und Scheinchristen, solange noch dort leidlich geduldet, müssen nun vor der Inquisition flüchten. i5o,3 landen drei Jaden in Amsterdam, und drei Jahre später, am Versöhnungstag, ist die Zahl bereits groß genug, um den ersten Gottesdienst abzuhalten. Die Niederlande stehen damals noch in ihrem Freiheitskrieg gegen Spanien, sie nehmen mit natürlicher Freundschaft alle von westlicher Tyrannei Verfolgten auf. 1597 bauen die Juden von Amsterdam ihre erste Synagoge, und 1618 sind sie bereits so weit, sich über Fragen des Kultus und der Verfassung gründlich zu entzweien .und zu spalten; es gibt jetzt drei Bethäuser, aber das größte ist die mächtige schwarze portugiesische Synagoge, die heute noch in der Judenbreedstraat steht. Die Gemeinde ist jetzt groß und reich; sie sendet Kolonisten nach Rotterdam und Hamburg aus. Sie beherbergt aber auch in ihrer großen Synagoge 393