Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1929)
- Article
- Volknatur und Volkgeist
- Date
- 1929-10-01
- Page
- 361 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Volknatur und Volkgeist das Volk, das ihm seine Sprache geschenkt hatte and mit der Sprache die Art zu. denken und die Welt zu sehen, auch seine Religion in ganz bestimmter Weise beeinflußte, daß deutsches Judentum anders ist wie englisches oder französisches, wie umgekehrt Deutschtum anders erlebt wird aus bayrischer oder preußischer, bäuerlicher oder proletarischer, evangelischer, katholischer oder jüdischer Blickrichtung. Wer darf sich anmaßen, die eine Betrachtungsweise für die allein deutsche zu halten. Abstraktes Deutschtum gibt es, Gott sei Dank, nicht. Immer hat es bestimmten Duft und Farbe. Durch die Abwandlung in lebendigen Menschen kommt es allein zur Erscheinung. Es gibt so viel verschiedene Arten, als es Deutsche gibt. In jedem Volksgenossen« bricht es sich anders, und im ganzen Volk schillert es in tausend Lichten*. Das ist seine Fülle und sein Reichtum. Nur wer die Kraft hat, es in allen Spielarten wiederzuerkennen, der darf sagen, daß ihm der Umfang seines Wesens aufgegangen ist, aber nicht, wer es auf die eigne enge und dürftige Art eingeschränkt sehen möchte. In diesem Geist hat der Verstorbene seine Zeitschrift „Der Morgen" begründet und geleitet. Sie sollte vom Judentum her auf deutsches Leben und deutsche Kultur und vom Deutschtum her auf jüdisches Leben und jüdische Kultur gerichtet sein. Gegen völkische Verdünnung kämpfte er um die ursprüngliche Kraft und Fülle deutschen Wesens, wie er es in der. Geschichte des deutschen Geistes erkannt hatte. Um dieses Kampfes willen habe ich Julius Goldstein schätzen und lieben lernen. 36t