Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1929-10-01 · Heft 4 (Oktober 1929) · p. 343

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 4 (Oktober 1929)
Article
Konservative Kulturpolitik
Date
1929-10-01
Page
343 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895483-2895488-2900015--03787-2900080
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Konservative Kulturpolitik Von Adam Röder Als ich 1918 Julius Goldstein kennen lernte, waren es konservative Gedankengänge, die im Austausch unserer Meinungen einen bestimmten Unterton bildeten. Mein Buch: „Konservative Zukunftspolitik" war eben erschienen und hatte in der politischen Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erregt. Die kulturpolitischen Ideen waren es besonders, die Goldstein interessierten. In der Politik an sich war Goldstein, so wenig wie ich selbst, konservativ im preußischen Sinne. Er war Republikaner und Demokrat und bejahte den neuen Staat mit der lebendigen Inbrunst eines Mannes, dem die Liebe zum Volk und die Befreiung dieses Volkes aus den Fesseln der politischen Bevormundung eine Selbstverständlichkeit bedeutete. SeiD Konservatismus lag auf ethischem Gebiet. Aber auch hier erschöpfte sich dieser Konservatismus nicht in einem billigen Traditionalismus, der in überlebten Ideen erstarrt ist und Vorurteile konserviert, die vor sittlichen Werturteilen nicht standhalten. Von der hohen Warte einer religiösen Weltanschauung verfolgte er die Gestaltung der sittlichen Werte im großen Ringen des menschlichen Fortschritts. Diese sittlichen Werte beklebte er nicht mit der Marke irgendeines Konfessionalismus; vielmehr aus der Urmmlichkeit der aprioristischen religiösen Empfindung baute er das ethische Ideal, das, auf Erfahrung sich gründend sich ins Transzendente erhebt. Wir nannten das philosophisch den inhärenten Konservatismus. Wir wissen seit Schopenhauer, daß man der jüdischen Religion den Vorwurf des „ruchlosen" Optimismus macht, und heute noch pflegen Leute, die gerne Schönheitsfehler an jüdischen Auffassungen finden, vom Mangel des Irrationalen in der jüdischen Denkweise zu sprechen. Diese Leute kennen 343 24*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.