Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1929)
- Article
- Julius Goldstein und die Philosophie der Gegenwart
- Date
- 1929-10-01
- Page
- 338 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst von Aster: Julius Goldstern und die Philosophie der Gegenwart templativen Welteinstellung — wie nicht nur Bergson, sondern auch Eucken sie erstrebte. Das Leben, des Einzelnen wie der Menschheit, ist ein Kampf, ein steter Kampf des „Lebensimpulses" mit der zähen, widerstrebenden, den Strom zum Erstarren bringenden „Materie". Weder die Phasen noch der Ausgang dieses Kampfes, wenn wir von dem Ausgang einer Entwicklung, der kein Ende beschieden ist, überhaupt sprechen wollen, sind vorausberechenbar, schon deshalb nicht, weil unser Tun und Wollen mit in diese Entwicklung eingeschaltet ist. Zugleich aber ahnen und fühlen wir, daß wir in diesem Kampf um die Vergeistigung der „Materie" nicht allein stehen, daß auch in der ganzen Natur seelische Kräfte am Werk sind, mit denen wir in gleicher Richtung wirken und arbeiten. Von jeher hat das religiöse Bewußtsein das erlebt und gefühlt. Und dies religiöse Bewußtsein ist — wir nennen wieder James — eine eigne Quelle des Wissens, der Erfahrung, die für nichts zu achten wir keinerlei Recht haben. Ich nannte verschiedentlich die Namen Eucken, Bergson und James. Es sind die drei Philosophen der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit, an die Goldstern vor allem sich anschloß. Er verstand es, ihre grundlegenden Gedanken zu einem Gewebe zu verknüpfen, — dessen Hauptfäden ich hier aufzuzeigen versuchte —, ohne übrigens dabei seine eigene geistige Selbständigkeit auch ihnen gegenüber aufzugeben. Sein letztes, abschließendes Wort freilich war ihm zu sprechen nicht mehr vergönnt. 338