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Der Morgen · 1929-10-01 · Heft 4 (Oktober 1929) · p. 333

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 4 (Oktober 1929)
Article
Züge seines Bildes
Date
1929-10-01
Page
333 (sequence 3)
Language
German
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Züge seines Bildes in eine gärende, ruhelose Zeit gesetzt — das erklärt vieles an seinem Wirken und seiner Äußerung. Er sprach oft von einer konservativen Grundstimmung im Judentum, die er stark in sich fühle, als eine Lust an lebendig sich fortleitenden Zuständen, in denen dem Menschen Raum bleibt für ein Leben der Erkenntnis und der Vervollkommnung. Er hätte vortrefflich in solcher Gesamtlage bestanden als ein Deuter und Pfleger gesicherten Wissens. Aber die wilde Zeit drang auf ihn wie auf uns alle ein, und er war zu lebensvoll, um ihren Forderungen nicht zu entsprechen. So kam er zu Kampf und politischer Betätigung. Aber der Sinn dieses Kampfes war die Geltendmachung einer verständigen, geistig durchleuchteten Menschlichkeit gegenüber den Maßlosigkeiten des Tages; einer Menschlichkeit von entschieden religiöser Fassung, wenn er auch, aus jener tiefen Schamhaftigkeit heraus, die überall in seinem Wesen anzutreffen war, gerade dem Religiösen gegenüber das Wort lieber schonte als überbrauchte. Dies etwa sind die Züge, mit denen Julius Goldsteins Bild in meinem Gedenken steht. Es will sich nichts Schweres, nichts Trübseliges um dieses Bild her ansetzen. Er lachte gern und breit. Er verstand sich zu freuen. Sein Leben ist erfüllt. Er war ein Mensch des guten Willens. 333

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