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Der Morgen · 1929-10-01 · Heft 4 (Oktober 1929) · p. 331

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 4 (Oktober 1929)
Article
Züge seines Bildes
Date
1929-10-01
Page
331 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Züge seines Bildes Von Wilhelm Midhel Es ist der Wunsch geäußert worden, auf diesen Blattern des Gedenkens nicht nur Julius Goldsteins Person hervorzukehren. Ich muß es trotzdem tun. Denn in seiner unmittelbaren, lebendigen Geistesregung, im Gespräch über den Tisch hinüber, in der gemeinsamen Berührtheit von den Tagesereignissen der hitzigen Nachkriegszeit ist mir der Mann am deutlichsten geworden; und am liebenswertesten. Ich sehe das Bild seiner Jugend, wie es im Gespräch einmal aufstieg: ein Junge in gedrückter Umgebung, von zwei glühenden Wünschen beseelt: körperliche Kraft und Gewandtheit zu erringen und eines Tages einen Stil zu schreiben, der der großen deutschen Geistesführer würdig wäre. In seiner ersten Begegnung mit diesen Führern, vorab mit Schiller und Goethe, muß für ihn etwas Unerhörtes, Ereignishaftes und Erschütterndes gelegen haben. Streckte sich sein Leben nachmals noch lange unter diesen Sternen hin, so sind sie ihm wirklich Sterne gewesen; nichts was man hinnimmt, weil Persönlichkeiten wie Goethe nun einmal sichtbarste Gestalten in deutscher Bildungswelt sind, sondern echte Begegnung, die ihm eine neue, höhere, endgültige Welt erschloß. Sein angewandtes Denken ging in liberalen Geleisen. Aber in der Weise, daß für ihn der Liberalismus noch umleuchtet, noch geadelt war von den Geistfunken des deutschen Idealismus. Und um diese wirkliche Berührtheit von einer großen Offenbarung deutscher Humanität blieb alles Echte seines Denkens und selbst seines Charakters versammelt. Er ist viele Wege gegangen. Andre Denker, wie Bergson, William James, wurden ihm später wichtig. Er hatte aus einer lebhaften, fast hitzigen Freude am Geiste Sinn für verschiedenste 331

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